{"id":12036,"date":"2026-02-12T20:43:43","date_gmt":"2026-02-12T19:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/verguetung-auf-null-lg-darmstadt-19-o-527-16-ki-gutachten\/"},"modified":"2026-02-12T20:43:43","modified_gmt":"2026-02-12T19:43:43","slug":"verguetung-auf-null-lg-darmstadt-19-o-527-16-ki-gutachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/verguetung-auf-null-lg-darmstadt-19-o-527-16-ki-gutachten\/","title":{"rendered":"Verg\u00fctung auf null: LG Darmstadt sieht zu geringen Eigenanteil eines Gutachters beim Einsatz von KI-Tool"},"content":{"rendered":"<p>Das Landgericht Darmstadt hat mit Beschluss vom 10.11.2025 entschieden, dass die Verg\u00fctung eines gerichtlichen Sachverst\u00e4ndigen auf EUR 0,00 festgesetzt werden kann, wenn nicht erkennbar ist, dass das Gutachten pers\u00f6nlich vom bestellten Experten erstellt wurde und wesentliche Teile offenbar mithilfe einer K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) entstanden sind (Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=19%20O%20527\/16\" title=\"19 O 527\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">19 O 527\/16<\/a>). Der Fall ist ein pr\u00e4gnantes Signal daf\u00fcr, wie streng Gerichte bei der Offenlegungspflicht und der pers\u00f6nlichen Erstattung von Gutachten k\u00fcnftig urteilen werden. Lesen Sie, was genau passiert ist, wie die Kammer ihre Entscheidung begr\u00fcndet hat und welche praktischen Konsequenzen sich daraus f\u00fcr Sachverst\u00e4ndige, Auftraggeber und Unternehmen ergeben.<\/p>\n<nav aria-label=\"Inhaltsverzeichnis\">\n<h2>Inhaltsverzeichnis<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"#kurzuebersicht\">Kurz\u00fcberblick<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#sachverhalt\">Sachverhalt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#rechtlicher-rahmen\">Rechtlicher Rahmen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#entscheidungsgrundlagen\">Wie das Gericht entschieden hat<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#begruendung-der-kammer\">Begr\u00fcndung der Kammer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#konsequenzen-fuer-die-praxis\">Konsequenzen f\u00fcr die Praxis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#praxisleitfaden-fuer-sachverstaendige\">Praxisleitfaden f\u00fcr Sachverst\u00e4ndige und Unternehmen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#schlusspunkt-und-empfehlung\">Schlusspunkt und Empfehlung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#cta\">Handlungsaufforderung (LEGAL SMART)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/nav>\n<h2 id=\"kurzuebersicht\">Kurz\u00fcberblick<\/h2>\n<p>Das Landgericht Darmstadt (19. Zivilkammer) setzte die Verg\u00fctung des beauftragten Professors f\u00fcr sein &#8222;Gutachten&#8220; vom 10.08.2025 auf EUR 0,00 gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 Abs. 1 Satz 1 JVEG<\/a> fest. Als ma\u00dfgebliche Gr\u00fcnde nannte die Kammer, dass der Sachverst\u00e4ndige entgegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/407a.html\" title=\"&sect; 407a ZPO: Weitere Pflichten des Sachverst&auml;ndigen\">\u00a7 407a Abs. 3 ZPO<\/a> nicht angezeigt hat, wer das Gutachten tats\u00e4chlich bearbeitet hat, dass die Kl\u00e4gerin nicht untersucht wurde und dass das Schriftst\u00fcck nach \u00dcberzeugung der Kammer in wesentlichen Teilen mithilfe einer KI erstellt worden war. Das Gericht verwies auf <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 JVEG<\/a> als Rechtsgrundlage f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Versagung der Verg\u00fctung. Aktenzeichen: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=19%20O%20527\/16\" title=\"19 O 527\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">19 O 527\/16<\/a> (Beschluss vom 10.11.2025).<\/p>\n<h2 id=\"sachverhalt\">Sachverhalt<\/h2>\n<p>Das Verfahren betraf die Festsetzung der Verg\u00fctung f\u00fcr ein am 10.08.2025 beim Landgericht eingereichtes Dokument, das als &#8222;Sachverst\u00e4ndigengutachten&#8220; \u00fcberschrieben war und formal den Sachverst\u00e4ndigen Prof. Dr. A als Ersteller und einen Dr. Dr. med. dent. C als Sachbearbeiter auswies. Der Sachverst\u00e4ndige stellte hierf\u00fcr am 03.09.2025 einen Rechnungsbetrag in H\u00f6he von EUR 2.374,50. Auf Antrag der Bezirksrevisorin nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 JVEG<\/a> pr\u00fcfte das Gericht die Verg\u00fctung. Im Verlauf des Verfahrens gab es Unklarheiten: Das Gericht stellte Anfragen zur Verfasserfrage und zur inhaltlichen Grundlage des Gutachtens, erhielt darauf aber keine hinreichenden Klarstellungen. Der Sachverst\u00e4ndige antwortete in einem Schreiben vom 23.10.2025, er k\u00f6nne das Gutachten in dem genannten Zeitraum nicht bearbeiten und k\u00f6nne es gern &#8222;in Zusammenarbeit&#8220; mit dem genannten Dr. C durchf\u00fchren; die &#8222;Gesamtverantwortung&#8220; bleibe bei ihm. Weitere R\u00fcckfragen des Gerichts blieben unbeantwortet.<\/p>\n<p>Bei der Pr\u00fcfung des eingereichten Dokuments fiel der Bezirksrevisorin und anschlie\u00dfend der Kammer auf, dass das Gutachten in mehrfacher Hinsicht atypische Merkmale aufwies: eine stilistische Gleichf\u00f6rmigkeit, vielfache identische Satzanf\u00e4nge und Wortwiederholungen, Formatierungsfehler, Textfragmente, die wie Reste von Eingabebefehlen (Prompts) wirkten, und inhaltliche Passagen, die nicht mit den Akten \u00fcbereinstimmten oder auf Tatsachen beruhten, die nicht dokumentiert waren. Zudem war die Kl\u00e4gerin offenbar nicht untersucht worden. Die Kammer folgerte daraus, dass gro\u00dfe Teile des Schriftst\u00fccks mit Hilfe einer KI erstellt worden sein mussten, ohne dass dies gegen\u00fcber dem Gericht offengelegt worden war.<\/p>\n<h2 id=\"rechtlicher-rahmen\">Rechtlicher Rahmen<\/h2>\n<p>Die Entscheidung st\u00fctzt sich auf die im Verfahren einschl\u00e4gigen Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) und des Justizverg\u00fctungs- und -entsch\u00e4digungsgesetzes (JVEG). Aus den von der Kammer angef\u00fchrten Bestimmungen l\u00e4sst sich der rechtliche Kern der Pr\u00fcfung ablesen: Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/407a.html\" title=\"&sect; 407a ZPO: Weitere Pflichten des Sachverst&auml;ndigen\">\u00a7 407a ZPO<\/a> hat der Sachverst\u00e4ndige den Auftrag grunds\u00e4tzlich pers\u00f6nlich zu pr\u00fcfen und auszuf\u00fchren; nimmt er die Mitarbeit anderer Personen in Anspruch, so sind diese Personen gegen\u00fcber dem Gericht zu benennen, es sei denn, es handelt sich um Hilfsdienste von untergeordneter Bedeutung. Diese Pflicht zur Offenlegung dient der Prozess- und Beweis-Transparenz. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 JVEG<\/a> wird die Verg\u00fctung nur insoweit gew\u00e4hrt, als die erbrachte Leistung bestimmungsgem\u00e4\u00df verwertbar ist, wenn der Sachverst\u00e4ndige gegen die Pflichten aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/407a.html\" title=\"&sect; 407a ZPO: Weitere Pflichten des Sachverst&auml;ndigen\">\u00a7 407a ZPO<\/a> versto\u00dfen oder eine so mangelhaft erbrachte Leistung vorgelegt hat, dass sie nicht verwertbar ist. Schlie\u00dflich wurde die Festsetzung der Verg\u00fctung formell nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 Abs. 1 Satz 1 JVEG<\/a> vorgenommen.<\/p>\n<h2 id=\"entscheidungsgrundlagen\">Wie das Gericht entschieden hat (Tenor)<\/h2>\n<p>Die Kammer setzte die Verg\u00fctung des Sachverst\u00e4ndigen Prof. Dr. A f\u00fcr dessen &#8222;Gutachten&#8220; vom 10.08.2025 gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 Abs. 1 Satz 1 JVEG<\/a> auf EUR 0,00 fest. Die Entscheidung fasst die rechtliche Folge zusammen: Liegt kein pers\u00f6nliches Gutachten des bestellten Sachverst\u00e4ndigen vor, ist die Leistung unklar in ihrer Urheberschaft oder ist sie inhaltlich so mangelhaft, dass sie f\u00fcr das Verfahren nicht verwertbar ist, so ist eine Verg\u00fctung nicht zu entrichten. Aktenzeichen: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=19%20O%20527\/16\" title=\"19 O 527\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">19 O 527\/16<\/a>.<\/p>\n<h2 id=\"begruendung-der-kammer\">Begr\u00fcndung der Kammer<\/h2>\n<p>Die Kammer f\u00fchrte mehrere, kumulative Gr\u00fcnde an, die zur vollst\u00e4ndigen Versagung der Verg\u00fctung f\u00fchrten. Erstens unterband die fehlende oder unzureichende Aufkl\u00e4rung durch den Sachverst\u00e4ndigen selbst eine Feststellung, ob das vorgelegte Schriftst\u00fcck tats\u00e4chlich von ihm pers\u00f6nlich stammte. Der Verweis des Sachverst\u00e4ndigen auf eine &#8222;Zusammenarbeit&#8220; mit einem namentlich genannten Dr. C und die Behauptung, die Gesamtverantwortung bleibe bei ihm, reichten nach Auffassung der Kammer nicht aus, um die urspr\u00fcnglich unterbliebene Anzeige einer Mitwirkung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/407a.html\" title=\"&sect; 407a ZPO: Weitere Pflichten des Sachverst&auml;ndigen\">\u00a7 407a Abs. 3 ZPO<\/a> nachtr\u00e4glich zu heilen. Die Kammer stellte ausdr\u00fccklich fest, dass der Sachverst\u00e4ndige seine Pflicht zur klaren, nachvollziehbaren Anzeige nicht erf\u00fcllt habe, was nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 JVEG<\/a> bereits die Unverwertbarkeit und damit das Entfallen des Verg\u00fctungsanspruchs begr\u00fcnden kann.<\/p>\n<p>Zweitens war das Gutachten inhaltlich mangelhaft: Die Kl\u00e4gerin war offenbar nicht untersucht worden; die Antworten auf die gestellten Fragen blieben zumeist unbegr\u00fcndet. Das Gericht sah hier erhebliche Defizite in der fachlichen Substanz, die nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 JVEG<\/a> die Verg\u00fctung ebenfalls ausschlie\u00dfen konnten, weil die Leistung f\u00fcr den Prozess unbrauchbar war. Drittens verst\u00e4rkten die sprachlichen und formalen Auff\u00e4lligkeiten den Eindruck, dass das Gutachten in wesentlichen Teilen mithilfe einer KI generiert worden war. Die Kammer z\u00e4hlte typische KI-Muster auf: Wiederholungen, stereotype Satzanf\u00e4nge, prompt\u00e4hnliche Fragmente sowie Stilbr\u00fcche zwischen verschiedenen Teilen des Textes. Auch Formatierungsfehler und die eigenartige Nennung des Sachverst\u00e4ndigen als Empf\u00e4nger des an ihn gerichteten Beweisbeschlusses sprachen nach Ansicht des Gerichts gegen eine durchgehend pers\u00f6nliche und fachlich verantwortete Erstellung des Gutachtens.<\/p>\n<p>In der Gesamtschau f\u00fchrte diese Kombination aus fehlender Offenlegung, mangelnder inhaltlicher Substanz und typischen KI-Indikatoren zu der \u00dcberzeugung, dass der Eigenanteil des Sachverst\u00e4ndigen am vorgelegten Werk offen und h\u00f6chstwahrscheinlich gering war. Unter diesen Umst\u00e4nden sei das Gutachten nicht verwertbar und der Anspruch auf Verg\u00fctung entfalle vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<h2 id=\"konsequenzen-fuer-die-praxis\">Konsequenzen f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n<p>Die Entscheidung des LG Darmstadt ist kein generelles Verbot des Einsatzes von KI in der Gutachtenerstellung. Vielmehr markiert sie eine klare Vorgabe zur Transparenz- und Qualit\u00e4tssicherung: Der Einsatz automatisierter Systeme ist nur zul\u00e4ssig, wenn der menschliche Sachverst\u00e4ndige seine pers\u00f6nliche Verantwortung nicht preisgibt, die Kernentscheidungen selbst trifft und transparent offenlegt, in welchem Umfang und zu welchen Zwecken technische Hilfsmittel verwendet wurden. Die zentralen praktischen Konsequenzen lassen sich wie folgt zusammenfassen.<\/p>\n<p>Erstens: Offenlegungspflicht beachten. Wer die Mitarbeit anderer Personen \u2013 sei es ein Kollege, eine wissenschaftliche Hilfskraft oder ein KI-Tool \u2013 in Anspruch nimmt, muss das Gericht hiervon in Kenntnis setzen und den Umfang der Mitwirkung offenlegen, soweit diese nicht von untergeordneter Bedeutung ist. Die nachtr\u00e4gliche Nennung von Mitwirkenden oder der blo\u00dfe Hinweis, die &#8222;Gesamtverantwortung&#8220; liege beim benannten Sachverst\u00e4ndigen, ist rechtlich nicht von vornherein ausreichend, um die urspr\u00fcngliche Verletzung der Offenlegungspflicht zu heilen.<\/p>\n<p>Zweitens: Pr\u00fcfungspflicht und Qualit\u00e4tskontrolle. Die Kammer betont, dass der Sachverst\u00e4ndige die inhaltliche Hauptverantwortung tr\u00e4gt. Wird KI unterst\u00fctzend eingesetzt, muss der Sachverst\u00e4ndige jeden relevanten Absatz dahingehend pr\u00fcfen, dass Inhalt, Quellenbezug und Tatsachenbehauptungen mit der Aktenlage deckungsgleich sind. Insbesondere d\u00fcrfen keine &#8222;halluzinierten&#8220; Fakten in das Gutachten gelangen, die den Akten widersprechen oder nicht belegbar sind. Ohne akribische Pr\u00fcfung droht die Unverwertbarkeit des Gutachtens.<\/p>\n<p>Drittens: Dokumentation der Arbeitsweise. Sachverst\u00e4ndige sollten dokumentieren, in welchem Umfang sie digitale Werkzeuge nutzten, mit welchen Einstellungen oder Prompts gearbeitet wurde und wie die Ergebnisse \u00fcberpr\u00fcft wurden. Diese Dokumentation dient als Nachweis gegen\u00fcber dem Gericht, dass die pers\u00f6nliche \u00dcberpr\u00fcfung und Verantwortungs\u00fcbernahme tats\u00e4chlich stattgefunden haben.<\/p>\n<p>Viertens: Wirtschaftliche Risiken bedenken. Die vollst\u00e4ndige Versagung der Verg\u00fctung kann erhebliche finanzielle Folgen nach sich ziehen. Dar\u00fcber hinaus sind berufsrechtliche und zivilrechtliche Folgeanspr\u00fcche m\u00f6glich, etwa wenn durch ein unbrauchbares Gutachten Dritten Kosten entstehen. Sachverst\u00e4ndige sollten daher im Verh\u00e4ltnis von Nutzen und Risiko sorgf\u00e4ltig entscheiden, ob und in welchem Umfang KI-gest\u00fctzte Arbeitsweisen eingesetzt werden.<\/p>\n<h2 id=\"praxisleitfaden-fuer-sachverstaendige\">Praxisleitfaden f\u00fcr Sachverst\u00e4ndige und Unternehmen<\/h2>\n<p>Vor dem Hintergrund der Entscheidung empfiehlt sich f\u00fcr Sachverst\u00e4ndige und Auftraggeber ein systematisches Vorgehen. Zun\u00e4chst ist vor Annahme eines Auftrags zu pr\u00fcfen, ob die pers\u00f6nliche Leistungspflicht erf\u00fcllbar ist oder ob die Mitarbeit Dritter erforderlich wird. Ergibt sich, dass Hilfspersonen oder technische Werkzeuge eingesetzt werden sollen, ist dies dem Gericht unverz\u00fcglich anzuzeigen; Namen und Umfang der Mitwirkung sind zu benennen, sofern es sich nicht um untergeordnete Hilfsdienste handelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Einsatz von KI gelten dar\u00fcber hinaus folgende Ma\u00dfnahmen: Legen Sie vorab fest, welche konkreten Arbeitsschritte durch KI unterst\u00fctzt werden d\u00fcrfen (z. B. reine Strukturierung, Rechtschreibpr\u00fcfung, Literatursuche). Schlie\u00dfen Sie intern verbindliche Vorgaben, nach denen KI-Ergebnisse niemals ohne sorgf\u00e4ltige fachliche \u00dcberpr\u00fcfung \u00fcbernommen werden d\u00fcrfen. F\u00fchren Sie einen Pr\u00fcfpfad: wer hat welche KI-Ausgabe gepr\u00fcft, welche \u00c4nderungen wurden vorgenommen, welche Quellen wurden kontrolliert. Solche Pr\u00fcfpfade sind sp\u00e4ter wichtig, wenn es um die Nachvollziehbarkeit gegen\u00fcber dem Gericht geht.<\/p>\n<p>Unternehmen, die Sachverst\u00e4ndige beauftragen, sollten bei der Auftragsvergabe klare Vorgaben zur Nutzung von KI machen und Transparenz einfordern. In Vertragsvereinbarungen kann geregelt werden, dass der Einsatz technischer Hilfsmittel offen zu legen ist und dass Gutachten, die nicht die geforderte pers\u00f6nliche Verantwortung und Qualit\u00e4t aufweisen, nicht zu verg\u00fcten sind. So lassen sich wirtschaftliche Risiken fr\u00fchzeitig begrenzen.<\/p>\n<h2 id=\"schlusspunkt-und-empfehlung\">Schlusspunkt und Empfehlung<\/h2>\n<p>Das LG Darmstadt hat mit seinem Beschluss deutlich gemacht, dass die Justiz die pers\u00f6nliche Erstattung von Gutachten als zentralen Wert ansieht. Die Entscheidung richtet sich ausdr\u00fccklich gegen die heimliche oder undokumentierte Delegation fachlicher Kernelemente an Dritte oder an generative KI-Systeme. Sachverst\u00e4ndige m\u00fcssen sich bewusst sein, dass intransparent eingesetzte KI-Arbeit nicht nur einen teilweisen, sondern den vollst\u00e4ndigen Verg\u00fctungsverlust bedeuten kann. Die Folgen reichen \u00fcber die Honorarfrage hinaus: Reputation, k\u00fcnftige Auftr\u00e4ge und Schadenersatzrisiken sind betroffen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bedeutet die Entscheidung nicht, dass KI grunds\u00e4tzlich verboten ist. Vielmehr ist sie ein Aufruf zu verantwortungsvoller, transparenter Nutzung technischer Hilfsmittel. KI kann sinnvoll unterst\u00fctzen, wenn sie als Werkzeug eingesetzt und die Ergebnisse vom menschlichen Experten vollst\u00e4ndig verantwortet und belegt werden.<\/p>\n<h2 id=\"schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>Das Urteil des Landgerichts Darmstadt (Beschluss vom 10.11.2025, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=19%20O%20527\/16\" title=\"19 O 527\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">19 O 527\/16<\/a>) ist eine klare Warnung: Wer ein gerichtliches Gutachten nicht pers\u00f6nlich erbringt oder die Mitwirkung Dritter beziehungsweise den Einsatz von KI nicht offenlegt, riskiert, seine gesamte Verg\u00fctung zu verlieren. Entscheidend sind Transparenz, pers\u00f6nliche Verantwortung und sorgf\u00e4ltige Qualit\u00e4tskontrolle. F\u00fcr Sachverst\u00e4ndige und Auftraggeber hei\u00dft das: Offenlegen, dokumentieren, pr\u00fcfen. Keine Abk\u00fcrzungen bei der fachlichen Verantwortung.<\/p>\n<h2 id=\"cta\">Handlungsaufforderung (LEGAL SMART)<\/h2>\n<p>LEGAL SMART unterst\u00fctzt Sachverst\u00e4ndige, Auftraggeber und Unternehmen dabei, KI-gerechte Arbeitsprozesse rechtskonform zu gestalten. Wir helfen Ihnen bei der Erstellung transparenter Verfahrensanweisungen, Pr\u00fcfpfade und Disclosure-Klauseln f\u00fcr Gutachten sowie bei der Vertragsgestaltung und internen Schulung zur sicheren Nutzung von KI-Tools. Wenn Sie vermeiden wollen, wegen unklarer Urheberschaft oder mangelnder Dokumentation in Verg\u00fctungs- und Reputationsrisiken zu laufen, bietet LEGAL SMART praktikable, rechtssichere L\u00f6sungen. Kontaktieren Sie uns f\u00fcr eine Erstberatung, damit Ihre Gutachten auch in Zukunft nicht nur technisch modern, sondern auch vor Gericht belastbar sind.<\/p>\n<h2 id=\"metadaten\">Metadaten zur Entscheidung<\/h2>\n<p>Gericht: Landgericht Darmstadt, 19. Zivilkammer. Entscheidungsdatum: 10.11.2025. Aktenzeichen: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=19%20O%20527\/16\" title=\"19 O 527\/16 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">19 O 527\/16<\/a>. Tenor: Die Verg\u00fctung des Sachverst\u00e4ndigen Prof. Dr. A f\u00fcr dessen &#8222;Gutachten&#8220; vom 10.08.2025 wird gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 Abs. 1 Satz 1 JVEG<\/a> festgesetzt auf EUR 0,00. Relevante Normen im Beschluss: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/4.html\" title=\"&sect; 4 JVEG: Gerichtliche Festsetzung und Beschwerde\">\u00a7 4 Abs. 1 S. 1 JVEG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/407a.html\" title=\"&sect; 407a ZPO: Weitere Pflichten des Sachverst&auml;ndigen\">\u00a7 407a Abs. 3 ZPO<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 S. 1 Nr. 1 JVEG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/JVEG\/8a.html\" title=\"&sect; 8a JVEG: Wegfall oder Beschr&auml;nkung des Verg&uuml;tungsanspruchs\">\u00a7 8a Abs. 2 S. 1 Nr. 2 JVEG<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht Darmstadt hat mit Beschluss vom 10.11.2025 entschieden, dass die Verg\u00fctung eines gerichtlichen Sachverst\u00e4ndigen auf EUR 0,00 festgesetzt werden kann, wenn nicht erkennbar ist, dass das Gutachten pers\u00f6nlich vom bestellten Experten erstellt wurde und wesentliche Teile offenbar mithilfe einer K\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) entstanden sind (Az. 19 O 527\/16). 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