{"id":12042,"date":"2026-02-13T13:37:11","date_gmt":"2026-02-13T12:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/weitergabe-der-e%e2%80%91mail%e2%80%91adressen-von-vereinsmitgliedern-verstoesst-nicht-gegen-die-dsgvo-was-das-bgh%e2%80%91urteil-ii-zr-132-24-fuer-vereine-und-mitglieder-bedeutet\/"},"modified":"2026-02-13T13:37:11","modified_gmt":"2026-02-13T12:37:11","slug":"weitergabe-der-e%e2%80%91mail%e2%80%91adressen-von-vereinsmitgliedern-verstoesst-nicht-gegen-die-dsgvo-was-das-bgh%e2%80%91urteil-ii-zr-132-24-fuer-vereine-und-mitglieder-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/weitergabe-der-e%e2%80%91mail%e2%80%91adressen-von-vereinsmitgliedern-verstoesst-nicht-gegen-die-dsgvo-was-das-bgh%e2%80%91urteil-ii-zr-132-24-fuer-vereine-und-mitglieder-bedeutet\/","title":{"rendered":"Weitergabe der E\u2011Mail\u2011Adressen von Vereinsmitgliedern verst\u00f6\u00dft nicht gegen die DSGVO \u2013 Was das BGH\u2011Urteil II ZR 132\/24 f\u00fcr Vereine und Mitglieder bedeutet"},"content":{"rendered":"<p>In seinem wegweisenden Urteil vom 10. Dezember 2025 (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20132\/24\" title=\"BGH, 10.12.2025 - II ZR 132\/24: Geplante Opposition auf Mitgliederversammlung, Verein muss Mitg...\">II ZR 132\/24<\/a>) hat der Bundesgerichtshof die Fragen zusammengebracht, die viele Vereine und ihre Mitglieder bewegen: Wie weit reicht das Informations- und Mitwirkungsrecht eines Mitglieds gegen\u00fcber dem Datenschutz und internen Zusagen des Vereins? Darf ein Mitglied die E\u2011Mail\u2011Adressen der \u00fcbrigen Mitglieder erhalten, um vor einer Mitgliederversammlung zu mobilisieren, und steht die Datenschutz\u2011Grundverordnung (DSGVO) einer solchen Herausgabe entgegen? Dieser Beitrag erkl\u00e4rt den zugrunde liegenden Sachverhalt, die Entscheidung des Gerichts und die daraus folgenden praktischen Konsequenzen f\u00fcr Vereine und Mitglieder \u2014 klar, praxisnah und auf die Bed\u00fcrfnisse kleiner und mittelst\u00e4ndischer Organisationen zugeschnitten.<\/p>\n<nav>\n<h2>Inhaltsverzeichnis<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"#sachverhalt\">Sachverhalt: Worum ging es?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#prozessgang\">Prozessgang: Vom Landgericht bis zum BGH<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#entscheidung\">Die Entscheidung des BGH (BGH, II ZR 132\/24)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#begruendung\">Begr\u00fcndung: Warum die DSGVO nicht entgegensteht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#relevanz\">Rechtliche Relevanz und Nichtigkeit der Beschl\u00fcsse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#konsequenzen\">Konsequenzen f\u00fcr Vereine und Mitglieder in der Praxis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#praktische-tipps\">Praktische Empfehlungen f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Mitglieder<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#cta\">Handlungsaufruf: Wie LEGAL SMART unterst\u00fctzen kann<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/nav>\n<h2 id=\"sachverhalt\">Sachverhalt: Worum ging es?<\/h2>\n<p>Der zugrunde liegende Fall betraf einen eingetragenen Sportverein und ein Mitglied, das Teil einer internen Initiative war. Auf der Tagesordnung einer virtuellen Mitgliederversammlung stand unter anderem die Zustimmung zum Verkauf von Grundst\u00fccksfl\u00e4chen. Das Pr\u00e4sidium des Vereins warb \u00f6ffentlich und in der Einladung daf\u00fcr, dem Verkauf zuzustimmen und hob die existenzielle Bedeutung der Entscheidung hervor. Parallel zur virtuellen Versammlung war eine vorherige Briefwahl m\u00f6glich. Die Mitgliederversammlung selbst wies eine sehr unterschiedliche Beteiligung auf: An der virtuellen Sitzung nahmen lediglich 17 Mitglieder teil, w\u00e4hrend an der schriftlichen Abstimmung mindestens 548 der zu diesem Zeitpunkt 2.784 stimmberechtigten Mitglieder teilnahmen.<\/p>\n<p>Vor der Versammlung plante der Kl\u00e4ger gemeinsam mit weiteren Mitgliedern Gegendarstellungen und eine Opposition gegen die Empfehlung des Pr\u00e4sidiums. Zu diesem Zweck verlangte der Kl\u00e4ger vom Verein die Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen der \u00fcbrigen Mitglieder und vorhandener E\u2011Mail\u2011Sammeladressen, um die Mitglieder pers\u00f6nlich anschreiben zu k\u00f6nnen. Der Verein verweigerte die Herausgabe. Zum Kontext geh\u00f6rt, dass der Verein seinen Mitgliedern jedenfalls seit 2018 bei der Aufnahme zugesagt hatte, ihre E\u2011Mail\u2011Adresse nur zur Mitgliedschaftsverwaltung zu verwenden. Trotz dieser Zusage legte der Verein den Mitgliedern zusammen mit der Einladung zur Versammlung ein Informationsschreiben der Initiative bei; die direkte Herausgabe der Adressen an den Kl\u00e4ger wurde nicht gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger erhob daraufhin Klage mit dem Ziel, die Nichtigkeit zahlreicher auf der Versammlung gefasster Beschl\u00fcsse feststellen zu lassen beziehungsweise deren Unwirksamkeit darzustellen. Er machte geltend, dass ihm durch die verweigerte Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen eine gleichberechtigte M\u00f6glichkeit zur Einflussnahme auf die Willensbildung im Verein verwehrt worden sei.<\/p>\n<h2 id=\"prozessgang\">Prozessgang: Vom Landgericht bis zum BGH<\/h2>\n<p>Das Landgericht wies die Klage zun\u00e4chst ab. Auf die Berufung des Kl\u00e4gers hin gab das Oberlandesgericht M\u00fcnchen der Klage statt und erkl\u00e4rte die angegriffenen Beschl\u00fcsse f\u00fcr nichtig. Der Verein legte Revision zum Bundesgerichtshof ein.<\/p>\n<p>Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs verhandelte die Revision und erkannte schlie\u00dflich mit Urteil vom 10. Dezember 2025 (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20132\/24\" title=\"BGH, 10.12.2025 - II ZR 132\/24: Geplante Opposition auf Mitgliederversammlung, Verein muss Mitg...\">II ZR 132\/24<\/a>) zugunsten des Kl\u00e4gers. Die Revision des Vereins hatte keinen Erfolg; der Senat best\u00e4tigte die wesentlichen Erw\u00e4gungen des Berufungsgerichts und hielt die Entscheidung in der Revisionsinstanz grunds\u00e4tzlich f\u00fcr zutreffend. Die Entscheidung des BGH enth\u00e4lt zentrale Aussagen zur Abw\u00e4gung zwischen dem Auskunftsrecht von Vereinsmitgliedern einerseits und den datenschutzrechtlichen Vorgaben andererseits.<\/p>\n<h2 id=\"entscheidung\">Die Entscheidung des BGH (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20132\/24\" title=\"BGH, 10.12.2025 - II ZR 132\/24: Geplante Opposition auf Mitgliederversammlung, Verein muss Mitg...\">II ZR 132\/24<\/a>)<\/h2>\n<p>Der Bundesgerichtshof hat das Berufungsurteil im Wesentlichen best\u00e4tigt und ausgef\u00fchrt, dass dem Kl\u00e4ger ein Anspruch auf Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen der Vereinsmitglieder zusteht. Ein Vereinsmitglied habe ein berechtigtes Interesse an der Mitteilung der E\u2011Mail\u2011Adressen der anderen Vereinsmitglieder, wenn es diese im Vorfeld einer Mitgliederversammlung kontaktieren wolle, um auf deren Abstimmungsverhalten Einfluss zu nehmen. Einem solchen Auskunftsbegehren st\u00fcnden auch nicht die Regelungen der Datenschutz\u2011Grundverordnung entgegen.<\/p>\n<p>Der Senat stellte weiter klar, dass die Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen zur Vertragserf\u00fcllung i.S.d. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1<\/a> Unterabsatz 1 lit. b DSGVO erforderlich sei. Dabei qualifizierte der BGH den Vereinsbeitritt als ein privatautonom begr\u00fcndetes Rechtsverh\u00e4ltnis, das datenschutzrechtlich wie ein Vertrag zu behandeln sei. Die \u00dcbermittlung der E\u2011Mail\u2011Adressen sei erforderlich, damit das auskunftsberechtigte Mitglied seine mitgliedschaftlichen Rechte \u2014 insbesondere die wirksame Mitwirkung an der vereinsrechtlichen Willensbildung \u2014 wahrnehmen k\u00f6nne.<\/p>\n<h2 id=\"begruendung\">Begr\u00fcndung: Warum die DSGVO nicht entgegensteht<\/h2>\n<p>Die Kernelemente der richterlichen Begr\u00fcndung lassen sich in mehreren Teilschritten zusammenfassen: Zun\u00e4chst kn\u00fcpft der BGH an seine fr\u00fchere Rechtsprechung zum Einsichtsrecht in die Vereinsunterlagen an. Vereinsmitglieder haben kraft ihres Mitgliedschaftsrechts ein Recht auf Einsicht in B\u00fccher und Urkunden des Vereins, soweit sie ein berechtigtes Interesse darlegen. Zu diesen Unterlagen z\u00e4hlt auch die Mitgliederliste. Wenn die relevanten Informationen elektronisch gespeichert sind, kann das auskunftsberechtigte Mitglied auch die \u00dcbermittlung in elektronischer Form verlangen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die datenschutzrechtliche Beurteilung ist der Begriff des Vertrags im <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO<\/a> nicht zivilrechtlich eng auszulegen, so der BGH. Entscheidend sei, ob das Rechtsverh\u00e4ltnis privatautonom begr\u00fcndet ist und die Verpflichtungen als Ausdruck der Selbstbestimmung legitimiert sind. Vor diesem Hintergrund f\u00e4llt der Vereinsbeitritt unter den datenschutzrechtlichen Vertragsbegriff: Es handelt sich um ein rechtsgesch\u00e4ftlich begr\u00fcndetes, privates Verh\u00e4ltnis, dessen Inhalt durch die Satzung ausgestaltet wird.<\/p>\n<p>In der weiteren Pr\u00fcfung stellte der Senat heraus, dass das Auskunftsbegehren zur Durchsetzung von Mitgliedschaftsrechten erforderlich war. Ein milderes, gleich wirksames Mittel wie die Weiterleitung eines Anschreibens durch das Pr\u00e4sidium, die Ver\u00f6ffentlichung in einer Vereinszeitschrift oder ein internes Forum reichte nicht aus. Die mittelbare Erf\u00fcllung der Auskunftsanspr\u00fcche \u00fcber einen Informationstreuh\u00e4nder w\u00fchle das auskunftsberechtigte Mitglied in seiner F\u00e4higkeit auf, die Willensbildung eigenst\u00e4ndig und wirkungsvoll zu beeinflussen. Deshalb ist die direkte \u00dcbermittlung der E\u2011Mail\u2011Adressen erforderlich i.S.d. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO<\/a>.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hielt der BGH Erw\u00e4gungen zur Abw\u00e4gung zwischen dem Interesse des Auskunftsersuchenden und dem Interesse der \u00fcbrigen Mitglieder an der Nichtkontaktierung f\u00fcr zugunsten des Auskunftsersuchenden zur\u00fccktreten. Wer einem Verein beitritt, trete in eine gewollte Rechtsgemeinschaft ein; damit m\u00fcsse er damit rechnen, von einem anderen Mitglied zur Verfolgung vereinspolitischer Ziele kontaktiert zu werden. Die M\u00f6glichkeit einer vermeintlichen Bel\u00e4stigung sei im Ergebnis nicht so schwerwiegend, dass sie das berechtigte Interesse \u00fcberwiegen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h2 id=\"relevanz\">Rechtliche Relevanz und Nichtigkeit der Beschl\u00fcsse<\/h2>\n<p>Neben dem materielle Auskunftsrecht hat der BGH die verweigerte Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen als relevanten formellen Mangel eingestuft, der zur Nichtigkeit der angefochtenen Beschl\u00fcsse f\u00fchren kann. Entscheidend war nicht der hypothetische Ausgang der Abstimmung, sondern ob der Verfahrensmangel objektiv geeignet war, die sachgerechte Willensbildung zu beeintr\u00e4chtigen. Nach dem Senat war dies der Fall: Die Information der Mitglieder durch den Kl\u00e4ger sollte ihnen eine sachgerechte Vorbereitung erm\u00f6glichen und die Entscheidung \u00fcber die Teilnahme an der Versammlung sowie die Aus\u00fcbung des Stimmrechts nachhaltig beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die verweigerte Herausgabe der Adressen verhinderte eine wirkungsvolle Information aller Mitglieder durch die Opposition, w\u00e4hrend das Pr\u00e4sidium sein eigenes Informationsinteresse ohne solche Beschr\u00e4nkungen bei allen Mitgliedern aus\u00fcben konnte. Dies begr\u00fcndete das f\u00fcr die Nichtigkeitsfolge erforderliche Legitimationsdefizit der Beschl\u00fcsse.<\/p>\n<h2 id=\"konsequenzen\">Konsequenzen f\u00fcr Vereine und Mitglieder in der Praxis<\/h2>\n<p>Das BGH\u2011Urteil hat unmittelbare praktische Auswirkungen. F\u00fcr Vereinsvorst\u00e4nde hei\u00dft dies: Auskunftsersuchen von Mitgliedern sind ernst zu nehmen und sorgf\u00e4ltig rechtlich zu pr\u00fcfen. Eine pauschale Ablehnung mit Verweis auf die DSGVO oder auf interne Zusagen ist nicht ausreichend. Die Entscheidung zwingt Vorst\u00e4nde, die internen Abl\u00e4ufe, die Satzungstexte und die Datenschutzdokumentation zu \u00fcberdenken und anzupassen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen Vorst\u00e4nde pr\u00fcfen, ob und in welchem Umfang Auskunftsersuchen nach den Grunds\u00e4tzen des BGH zul\u00e4ssig sind. Wenn ein Mitglied glaubhaft darlegt, dass es die Adressen zur Mitwirkung in vereinsrechtlichen Entscheidungsprozessen ben\u00f6tigt, l\u00e4sst das Urteil die Herausgabe unter bestimmten Voraussetzungen als zul\u00e4ssig erscheinen. Vereinsspezifische Zusagen, wonach E\u2011Mail\u2011Adressen nur zur Mitgliederverwaltung verwendet werden, k\u00f6nnen einem Auskunftsanspruch nicht entgegenstehen; der BGH hat dies klar verneint.<\/p>\n<p>Datenschutzrechtlich f\u00fchrt die Entscheidung jedoch nicht dazu, dass Vereine k\u00fcnftig unkontrolliert Mitgliederdaten weitergeben d\u00fcrfen. Die \u00dcbermittlung hat unter Beachtung der weiteren datenschutzrechtlichen Pflichten stattzufinden. Wer E\u2011Mail\u2011Adressen herausgibt, sollte die Zwecke der \u00dcbermittlung eingrenzen, L\u00f6schfristen festlegen und die betroffenen Mitglieder \u00fcber die Verarbeitung informieren. Auch das auskunftsberechtigte Mitglied wird als Datenverarbeiter bzw. Verantwortlicher f\u00fcr die eigene Verarbeitung nach der DSGVO Pflichten haben: Es darf die Adressen nicht zweckentfremden, muss sie nach Erledigung l\u00f6schen und die Betroffenen informieren; das Gericht hat diese Pflichten thematisch angesprochen, indem es den datenschutzkonformen Umgang der auskunftsberechtigten Person voraussetzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mitglieder st\u00e4rkt das Urteil die M\u00f6glichkeit, sich wirksam in die Willensbildung des Vereins einzubringen. Insbesondere in gro\u00dfen Vereinen, in denen nur ein Bruchteil der Mitglieder an einer Versammlung teilnimmt, ist die M\u00f6glichkeit einer priorisierten, pers\u00f6nlichen Kontaktaufnahme von erheblicher Bedeutung, um eine Opposition zu organisieren und die Mitglieder umfassend zu informieren.<\/p>\n<h2 id=\"praktische-tipps\">Praktische Empfehlungen f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Mitglieder<\/h2>\n<p>Vorst\u00e4nde sollten zun\u00e4chst die Satzung, die Datenschutzbelehrungen bei Aufnahme und s\u00e4mtliche internen Zusagen zum Umgang mit Kontaktdaten \u00fcberpr\u00fcfen. Eine Satzungs\u00e4nderung allein kann das Auskunftsrecht nicht ausschlie\u00dfen, aber sie schafft Klarheit \u00fcber Verfahrensweisen. Empfehlenswert ist die Implementierung eines verbindlichen internen Prozesses zur Behandlung von Auskunftsersuchen: Ein standardisiertes Formular, eine Frist f\u00fcr die Behandlung von Anfragen, eine nachvollziehbare Dokumentation der Rechtsgrundlagen und eine interne Pr\u00fcfungsinstanz k\u00f6nnen das Risiko von Fehlentscheidungen reduzieren.<\/p>\n<p>Zudem sollten Vereine erg\u00e4nzende Datenschutz\u2011Ma\u00dfnahmen treffen: Wenn Adressen \u00fcbermittelt werden, ist die Verwendung auf den eng begrenzten Zweck zu beschr\u00e4nken, es sollte eine schriftliche Zweckbindung mit dem Auskunftsempf\u00e4nger vereinbart werden, L\u00f6schfristen sind festzulegen und die betroffenen Mitglieder sind gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/13.html\" title=\"Art. 13 DSGVO: Informationspflicht bei Erhebung von personenbezogenen Daten bei der betroffenen Person\">Art. 13 DSGVO<\/a> zu informieren. Diese Ma\u00dfnahmen helfen, datenschutzrechtliche Bedenken zu adressieren und die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Daten\u00fcbermittlung zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Mitglieder, die Auskunft w\u00fcnschen, sollten ihr berechtigtes Interesse konkret darlegen und pr\u00fcfen, ob ihre Anfrage zeitlich und sachlich auf einen bevorstehenden Willensbildungsprozess abzielt \u2014 wie bei einer anstehenden Mitgliederversammlung. Die Forderung nach einer konkreten Zielbeschreibung und einer nachvollziehbaren Darstellung des Verwendungszwecks erh\u00f6ht die Erfolgsaussichten und erm\u00f6glicht eine sachgerechte Pr\u00fcfung durch den Vorstand.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sollten beide Seiten die M\u00f6glichkeiten der Mediation und der interessenausgleichenden Kommunikation nutzen, bevor es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt. Transparente Abl\u00e4ufe reduzieren das Konfliktrisiko und st\u00e4rken das Vertrauen in die Vereinsideen.<\/p>\n<h2 id=\"schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 10. Dezember 2025 (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20132\/24\" title=\"BGH, 10.12.2025 - II ZR 132\/24: Geplante Opposition auf Mitgliederversammlung, Verein muss Mitg...\">II ZR 132\/24<\/a>) eine klare Linie gezogen: Ein Vereinsmitglied kann unter den konkret bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf die Herausgabe der E\u2011Mail\u2011Adressen anderer Vereinsmitglieder haben, und dem steht die DSGVO nicht grunds\u00e4tzlich entgegen. Entscheidend ist die Einordnung des Vereinsbeitritts als privatautonomes Rechtsverh\u00e4ltnis i.S.d. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/6.html\" title=\"Art. 6 DSGVO: Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Verarbeitung\">Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO<\/a> sowie die Erforderlichkeit der Daten\u00fcbermittlung zur Wahrnehmung satzungsm\u00e4\u00dfiger Mitgliedsrechte. Gleichzeitig hat der Senat betont, dass die Herausgabe nicht zum Freibrief f\u00fcr beliebige Datenweitergaben f\u00fchrt: Die datenschutzrechtlichen Pflichten bleiben bestehen, und die Verarbeitung ist auf den Zweck zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<h2 id=\"cta\">Handlungsaufruf: Wie LEGAL SMART unterst\u00fctzen kann<\/h2>\n<p>F\u00fcr Vorst\u00e4nde, Mitglieder und Vereinsverantwortliche bedeutet das Urteil Handlungsbedarf. LEGAL SMART unterst\u00fctzt Vereine und Interessierte konkret bei der praktischen Umsetzung: Wir pr\u00fcfen Satzungen und Datenschutzhinweise, konzipieren rechtssichere Abl\u00e4ufe zur Behandlung von Auskunftsersuchen, erstellen zweckgebundene Vereinbarungen zur Daten\u00fcberlassung und begleiten Sie bei der Umsetzung der notwendigen Informationspflichten nach der DSGVO. Wenn Sie m\u00f6chten, dass Ihre Vereinspraxis den Anforderungen des BGH entspricht und Ihre Beschlussrisiken minimiert werden, sprechen Sie uns an \u2014 LEGAL SMART bietet pragmatische, rechtssichere und praxisnahe L\u00f6sungen f\u00fcr Vereine aller Gr\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<footer>\n<p>Aktenzeichen: BGH, Urteil vom 10. Dezember 2025 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20132\/24\" title=\"BGH, 10.12.2025 - II ZR 132\/24: Geplante Opposition auf Mitgliederversammlung, Verein muss Mitg...\">II ZR 132\/24<\/a>.<\/p>\n<\/footer>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem wegweisenden Urteil vom 10. Dezember 2025 (BGH, II ZR 132\/24) hat der Bundesgerichtshof die Fragen zusammengebracht, die viele Vereine und ihre Mitglieder bewegen: Wie weit reicht das Informations- und Mitwirkungsrecht eines Mitglieds gegen\u00fcber dem Datenschutz und internen Zusagen des Vereins? 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