{"id":12062,"date":"2026-06-05T13:00:00","date_gmt":"2026-06-05T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/bgh-haendler-haftet-fuer-fehlerhafte-google-ads-anzeigen\/"},"modified":"2026-06-05T13:00:00","modified_gmt":"2026-06-05T11:00:00","slug":"bgh-haendler-haftet-fuer-fehlerhafte-google-ads-anzeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/bgh-haendler-haftet-fuer-fehlerhafte-google-ads-anzeigen\/","title":{"rendered":"BGH: H\u00e4ndler haftet f\u00fcr fehlerhafte Google\u2011Ads\u2011Anzeigen \u2013 Wann Auslagerung von Werbung die Haftung nicht entschuldigt"},"content":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Umgang mit ausgelagerter Onlinewerbung setzt einen klaren Ma\u00dfstab: Wer Google oder vergleichbare Dienstleister mit der Bewerbung seiner Produkte beauftragt, bleibt f\u00fcr die Rechtskonformit\u00e4t dieser Werbung verantwortlich. Das Urteil (BGH, Urt. v. 11.03.2026 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>) betrifft Onlineh\u00e4ndler ebenso wie alle Unternehmen, die digitale Werbeformen nutzen. Im folgenden Beitrag erl\u00e4utern wir den zugrunde liegenden Sachverhalt, die rechtliche Einordnung, die Begr\u00fcndung des Gerichts und konkrete Konsequenzen f\u00fcr die Praxis. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, wie Sie das Haftungsrisiko bei Google\u2011Ads\u2011Kampagnen systematisch minimieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<nav class=\"toc\">\n<h2>Inhaltsverzeichnis<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"#sachverhalt\">Sachverhalt: Worum ging es?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#rechtliche-grundlagen\">Rechtliche Grundlagen: \u00a7 8 UWG und europ\u00e4ische Vorgaben zur Energiekennzeichnung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#entscheidung\">Entscheidung des BGH (I ZR 28\/25)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#begruendung\">Begr\u00fcndung des Gerichts: Warum wurde die Revision erfolgreich?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#abgrenzung-affiliates\">Abgrenzung zu Affiliate\u2011Systemen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#energiekennzeichnung\">Energieverbrauchskennzeichnung: Formelle Anforderungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#praxisfolgen\">Praxisfolgen f\u00fcr Unternehmen und H\u00e4ndler<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#handlungsanweisungen\">Konkrete Handlungsanweisungen zur Risikominimierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#haeftung-und-regress\">Haftung, Regress und wirtschaftliche Abw\u00e4gung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"#cta\">Aufruf zur Handlung (LEGAL SMART)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/nav>\n<h2 id=\"sachverhalt\">Sachverhalt: Worum ging es?<\/h2>\n<p>Im zugrunde liegenden Fall stritten ein qualifizierter Wirtschaftsverband und ein Versandh\u00e4ndler \u00fcber die rechtliche Bewertung von Google\u2011Ads\u2011Anzeigen, die auf einer Drittplattform (hier: eine Kleinanzeigenplattform betrieben von der K GmbH) erschienen. In zwei separaten Anzeigen wurden Haushaltsgro\u00dfger\u00e4te beworben; angezeigt wurden Produktbild, Beschreibung, Preisangaben und der kurze Vermerk &#8222;Energie: D&#8220;. Der vollst\u00e4ndige Energielabel war nicht direkt in der Anzeige sichtbar; er konnte erst durch Anklicken der Anzeige und einen weiteren Klick auf der Landingpage des H\u00e4ndlers aufgerufen werden. Die Anzeigen enthielten nicht die nach Unionsrecht vorgeschriebene grafische Darstellung der Energieeffizienzklasse in Form des Effizienzspektrums mit Pfeil.<\/p>\n<p>Der Wirtschaftsverband beanstandete die Anzeigen als wettbewerbswidrig und verlangte Unterlassung sowie Erstattung von Abmahnkosten. Der beklagte H\u00e4ndler verteidigte sich damit, die beanstandeten Werbemittel seien von Google Ireland Limited gestaltet und platziert worden. Grundlage hierf\u00fcr war eine Kooperationsvereinbarung: Der H\u00e4ndler lieferte fortlaufend Produktinformationen an Google, Google platzierte auf dieser Basis die Werbeanzeigen auf eigenen Seiten oder Seiten des Google\u2011Partnernetzwerks, und der H\u00e4ndler verg\u00fctete Google f\u00fcr Klicks auf die Anzeigen. Vor den Oberlandesgerichten hatten Landgericht und das Oberlandesgericht Bamberg die Klage abgewiesen. Der BGH hob diese Entscheidungen auf und verwies die Sache zur neuen Verhandlung zur\u00fcck (BGH, Urt. v. 11.03.2026 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>).<\/p>\n<h2 id=\"rechtliche-grundlagen\">Rechtliche Grundlagen: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 UWG<\/a> und europ\u00e4ische Vorgaben zur Energiekennzeichnung<\/h2>\n<p>Relevant f\u00fcr die zivilrechtliche Haftung ist in erster Linie <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 UWG<\/a>. Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 1 UWG<\/a> kann derjenige, der eine unzul\u00e4ssige gesch\u00e4ftliche Handlung vornimmt, auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> regelt die Zurechnung: Werden Zuwiderhandlungen in einem Unternehmen von dessen Mitarbeitern oder Beauftragten begangen, sind Unterlassungs\u2011 und Beseitigungsanspr\u00fcche auch gegen den Inhaber des Unternehmens begr\u00fcndet. Diese Vorschrift dient dazu, die Verantwortung des Unternehmens f\u00fcr arbeitsteilig erbrachte Marktauftritte sicherzustellen und zu verhindern, dass sich Unternehmen durch Auslagerung der Werbung der Haftung entziehen.<\/p>\n<p>Neben dem nationalen Wettbewerbsrecht sind unionsrechtliche Vorgaben zur Energieverbrauchskennzeichnung ma\u00dfgeblich. Die Verordnung (EU) 2017\/1369 und die Delegierten Verordnungen (EU) 2019\/2016 sowie (EU) 2019\/2017 legen fest, wie die Energieeffizienzklasse in visuell wahrnehmbarer Werbung dargestellt werden muss: Die Energieeffizienzklasse und das Spektrum der verf\u00fcgbaren Effizienzklassen sind anzugeben, wobei die Darstellung formal bestimmte Anforderungen erf\u00fcllt (z. B. grafisches Spektrum mit Pfeil). Die nationalen Vorschriften des UWG greifen, wenn wesentliche Informationen gem\u00e4\u00df Art. 6 Buchst. a der Verordnung vorenthalten werden und dadurch eine Irref\u00fchrung im Sinne von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a UWG<\/a> vorliegt.<\/p>\n<h2 id=\"entscheidung\">Entscheidung des BGH (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>)<\/h2>\n<p>Der Bundesgerichtshof hat die Entscheidung des Oberlandesgerichts Bamberg aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung zur\u00fcckverwiesen. Kernpunkt der Entscheidungsfindung war die Feststellung, dass Google im Verh\u00e4ltnis des H\u00e4ndlers als Beauftragter im Sinn des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> anzusehen ist. Damit bleibt der H\u00e4ndler als Inhaber des Unternehmens f\u00fcr Zuwiderhandlungen, die durch Google im Rahmen der Beauftragung begangen wurden, auf Unterlassung in Anspruch genommen.<\/p>\n<p>Der Senat konnte nicht abschlie\u00dfend \u00fcber die materiellen Fragen entscheiden, weil es an hinreichenden Feststellungen zum Wettbewerbsversto\u00df selbst fehlte; er verwies daher zur weiteren Verhandlung zur\u00fcck. Gleichwohl hielt er die Rechtsauffassung des Berufungsgerichts zur Passivlegitimation f\u00fcr rechtsfehlerhaft und legte die Grunds\u00e4tze dar, die in F\u00e4llen ausgelagerter Onlinewerbung gelten.<\/p>\n<h2 id=\"begruendung\">Begr\u00fcndung des Gerichts: Warum wurde die Revision erfolgreich?<\/h2>\n<p>Die Begr\u00fcndung des BGH l\u00e4sst sich in mehreren, klar erkennbaren Leitgedanken zusammenfassen. Zun\u00e4chst betont der Senat die Funktion von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a>: Die arbeitsteilige Organisation eines Unternehmens darf die Verantwortung f\u00fcr die gesch\u00e4ftliche T\u00e4tigkeit nicht beseitigen. Entscheidend ist demnach, ob der Dritte funktional in die betriebliche Organisation eingegliedert ist, der Erfolg seiner T\u00e4tigkeit dem Betriebsinhaber zugutekommt und der Betriebsinhaber einen bestimmenden, durchsetzbaren Einfluss auf die T\u00e4tigkeit des Dritten hatte oder sich diesen Einfluss h\u00e4tte sichern k\u00f6nnen und m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall hatte der H\u00e4ndler Google regelm\u00e4\u00dfig Produktinformationen \u00fcbermittelt und Google schaltete im Gegenzug Anzeigen, f\u00fcr deren Klicks der H\u00e4ndler zahlte. Durch die Kooperationsvereinbarung hatte der H\u00e4ndler eine ihm obliegende Aufgabe \u2013 die Bewerbung seiner Produkte \u2013 zumindest teilweise an Google delegiert. Das Gericht stellte klar, diese Form der Delegation erweitert den Gesch\u00e4ftsbetrieb des H\u00e4ndlers; Google erf\u00fclle funktional die Rolle einer Werbeagentur. Daher ist Google Beauftragter im Sinn des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a>.<\/p>\n<p>Der BGH machte deutlich, dass der Umstand, dass Google bei Inhalt, Umfang und Platzierung der Werbung verbleibende Gestaltungs\u2011 und Entscheidungsfreiheiten hatte, der Anwendung des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> nicht entgegensteht. Vielmehr sei gerade charakteristisch f\u00fcr die moderne digitale Werbung, dass Plattformen automatisierte und algorithmisch gesteuerte Spielr\u00e4ume haben. Ma\u00dfgeblich sei nicht, welchen Einfluss sich der H\u00e4ndler tats\u00e4chlich vertraglich gesichert habe, sondern welchen Einfluss er sich h\u00e4tte sichern k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Auch eine Gefahr, dass Google Anzeigen konkurrierender Angebote in unmittelbarer N\u00e4he platzieren k\u00f6nne, beeinflusst die Zurechnung nicht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich stellte der Senat fest, dass nach den vorliegenden Feststellungen die Inserate nicht die unionsrechtlich erforderliche Darstellung der Energieeffizienz aufwiesen. Ein blo\u00dfer Hinweis &#8222;Energie: D&#8220; ohne grafisches Effizienzspektrum gen\u00fcge den Anforderungen an visuell wahrnehmbare Werbung nicht. Zwar k\u00f6nne die Energieeffizienzklasse bei Onlinewerbung auf einer anderen Seite hinter einem Link angegeben werden; der Link m\u00fcsse aber r\u00e4umlich nahe bei der preisbezogenen Werbung angebracht und inhaltlich als elektronischer Verweis auf die Effizienzangaben erkennbar sein. Auch ein Maus\u2011Rollover, das die Angaben des Etiketts anzeigt, k\u00f6nne gen\u00fcgen. Im vorliegenden Fall lagen solche Voraussetzungen nicht vor, sodass die Anzeigen nach den bisherigen Feststellungen mangelhaft waren.<\/p>\n<h2 id=\"abgrenzung-affiliates\">Abgrenzung zu Affiliate\u2011Systemen<\/h2>\n<p>Der BGH unterscheidet den entschiedenen Fall ausdr\u00fccklich von der Rechtsprechung zur Haftung f\u00fcr Affiliate\u2011Links (vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2023 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2027\/22\" title=\"BGH, 26.01.2023 - I ZR 27\/22: Haftung f&uuml;r Affiliate-Partner\">I ZR 27\/22<\/a>). Dort fehlte es an einer Beauftragung: Affiliates stellen in der Regel Informationen bereit oder verlinken Angebote, ohne dass der H\u00e4ndler die ihnen obliegende Werbeaufgabe delegiert. In solchen Konstellationen ist der Affiliate nicht ohne weiteres als Beauftragter des H\u00e4ndlers anzusehen; die Zurechnung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> ist deshalb nicht ohne Weiteres gegeben.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Google\u2011Ads\u2011Modell hingegen \u00fcbertr\u00e4gt der H\u00e4ndler die Aufgabe der Produktbewerbung in einem organisatorisch relevanten Umfang an Google und stellt die daf\u00fcr erforderlichen Produktdaten zur Verf\u00fcgung. Diese Delegation f\u00fchrt nach Ansicht des BGH zur funktionalen Eingliederung von Google in die Gesch\u00e4ftsorganisation des H\u00e4ndlers und damit zur Zurechnung der Werbefunktionen.<\/p>\n<h2 id=\"energiekennzeichnung\">Energieverbrauchskennzeichnung: Formelle Anforderungen<\/h2>\n<p>Die Entscheidung des BGH hebt hervor, dass die unionsrechtlichen Vorgaben zur Energiekennzeichnung konkrete formale Anforderungen an visuell wahrnehmbare Werbung stellen. Nach Art. 6 Buchst. a der Verordnung (EU) 2017\/1369 und den einschl\u00e4gigen Delegierten Verordnungen m\u00fcssen in der Werbung f\u00fcr bestimmte Produkte sowohl die Energieeffizienzklasse als auch das Spektrum der verf\u00fcgbaren Effizienzklassen angegeben werden. Die Delegierten Verordnungen enthalten in Anhang VII eine Abbildung und Vorgaben zur Darstellung, die in Onlineanzeigen beachtet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Zul\u00e4ssigkeit eines Verweises auf die Zielseite ist nicht ausgeschlossen, wird aber eng ausgelegt: Ein Link gen\u00fcgt nur, wenn er r\u00e4umlich in unmittelbarer N\u00e4he der preisbezogenen Werbung angebracht ist und inhaltlich als elektronischer Verweis auf die Angaben des Etiketts erkennbar ist. Alternativ ist ein Maus\u2011Rollover m\u00f6glich, sofern beim \u00dcberfahren mit dem Mauszeiger das vollst\u00e4ndige Etikett sichtbar wird. In der Sache fehlte beides: Die Anzeigen enthielten lediglich einen kurzen Textvermerk &#8222;Energie: D&#8220; ohne Verlinkung oder Rollover\u2011Darstellung.<\/p>\n<h2 id=\"praxisfolgen\">Praxisfolgen f\u00fcr Unternehmen und H\u00e4ndler<\/h2>\n<p>Die Bedeutung der BGH\u2011Entscheidung f\u00fcr die Praxis ist erheblich und weitreichend. Unternehmen, die Google\u2011Ads, vergleichbare Plattformwerbung oder andere Formen ausgelagerter digitaler Werbung nutzen, m\u00fcssen davon ausgehen, dass sie f\u00fcr wettbewerbswidrige Gestaltungen der durch Dritte geschalteten Anzeigen haften k\u00f6nnen. Die blo\u00dfe Weitergabe von Produktdaten und das Vertrauen darauf, dass der Werbedienstleister die rechtlichen Anforderungen korrekt umsetzt, reicht nicht aus, um die Haftung zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die Entscheidung macht deutlich, dass das rechtliche Risiko bei Delegation der Werbefunktion nicht automatisch auf den beauftragten Dritten \u00fcbergeht. Auch wenn vertragliche Mechanismen einen eingeschr\u00e4nkten Einfluss des Unternehmens vorsehen, ist ma\u00dfgeblich, welchen Einfluss das Unternehmen sich h\u00e4tte sichern k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Dieser Ma\u00dfstab spricht daf\u00fcr, dass Unternehmen vertraglich weitergehende Sicherungs\u2011 und Kontrollrechte einr\u00e4umen sollten, wenn sie die Verantwortung f\u00fcr die Einhaltung rechtlicher Vorgaben nicht allein tragen wollen.<\/p>\n<p>F\u00fcr H\u00e4ndler, die kennzeichnungspflichtige Produkte vertreiben, sind die Auswirkungen unmittelbar: Fehlerhafte Energieangaben in Anzeigen k\u00f6nnen Abmahnungen zur Folge haben. Qualifizierte Wirtschaftsverb\u00e4nde oder Mitbewerber k\u00f6nnen Unterlassungsanspr\u00fcche geltend machen; bei berechtigten Abmahnungen k\u00f6nnen Erstattungsanspr\u00fcche f\u00fcr Abmahnkosten entstehen. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht nur Unterlassungsanspr\u00fcche, sondern auch potenzielle Ordnungsmittel, Imageverlust und Aufwand zur Korrektur laufender Kampagnen.<\/p>\n<h2 id=\"handlungsanweisungen\">Konkrete Handlungsanweisungen zur Risikominimierung<\/h2>\n<p>Auf Grundlage der Entscheidung lassen sich praktikable Ma\u00dfnahmen ableiten, die Unternehmen jetzt umsetzen sollten. Zun\u00e4chst ist eine rechtliche Vorpr\u00fcfung (Legal\u2011Review) von Anzeigenformaten und Templates empfehlenswert. Bevor Kampagnen live gehen, sollten H\u00e4ndler pr\u00fcfen, ob die Darstellung der Energieeffizienzklasse und anderer kennzeichnungspflichtiger Angaben den unionsrechtlichen Vorgaben entspricht. Ein reiner Vertrauensschutz gegen\u00fcber dem Plattformpartner reicht nicht.<\/p>\n<p>Vertragliche Ma\u00dfnahmen sind ebenso zentral: Bei Kooperationsvertr\u00e4gen mit Google oder anderen Plattformen sollten Unternehmen darauf achten, dass sie sich zumindest die M\u00f6glichkeit verschaffen, Einfluss auf Inhalt, Platzierung und Darstellung bestimmter Pflichtangaben zu nehmen oder vertragliche Garantien zur Einhaltung rechtlicher Vorgaben einzufordern. Soweit m\u00f6glich, sollten Freigabeprozesse vereinbart werden, die es erm\u00f6glichen, Anzeigen vor der Schaltungsfreigabe auf Konformit\u00e4t zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Operational sind regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen notwendig. Unternehmen sollten Monitoring\u2011Mechanismen etablieren, die eingesetzte Anzeigen in live\u2011Umgebungen \u00fcberpr\u00fcfen und Abweichungen sofort melden. Dokumentation ist ein weiterer wichtiger Punkt: Wer die \u00dcberpr\u00fcfung protokolliert, zeigt Vorsorge und kann im Streitfall darlegen, welche Ma\u00dfnahmen zur Vermeidung von Rechtsverletzungen ergriffen wurden.<\/p>\n<p>Im Umgang mit Abmahnungen empfiehlt die Entscheidung, schnell und sachgerecht zu reagieren: Anzeigenstrukturen unverz\u00fcglich zu korrigieren, die Gr\u00fcnde intern zu analysieren und etwaige vertragliche Regressanspr\u00fcche gegen den Werbepartner zu pr\u00fcfen. Gerade bei Plattformen mit starken Verhandlungspositionen werden Regressforderungen allerdings oft schwierig durchzusetzen sein; daher ist Pr\u00e4vention wirtschaftlich zumeist die sinnvollere Strategie.<\/p>\n<h2 id=\"haeftung-und-regress\">Haftung, Regress und wirtschaftliche Abw\u00e4gung<\/h2>\n<p>Die Zurechnung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> bedeutet, dass der H\u00e4ndler im Au\u00dfenverh\u00e4ltnis f\u00fcr Rechtsverst\u00f6\u00dfe haftet, die durch einen Beauftragten begangen werden. Intern bleibt die Frage des Regresses gegen\u00fcber dem beauftragten Dienstleister. Auch wenn Regressanspr\u00fcche in Betracht stehen, ist deren Durchsetzung angesichts der marktbeherrschenden Stellung gro\u00dfer Plattformbetreiber und internationaler Rechtsfragen oft kompliziert und langwierig.<\/p>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen daher wirtschaftlich abw\u00e4gen: Wieviel Kontrollaufwand bezahlt man im Vorfeld, wie viel Risiko akzeptiert man, und welche vertraglichen Instrumente sind realistisch durchsetzbar? In vielen F\u00e4llen ist eine Mischstrategie sinnvoll: Eine vertragliche Mindestabsicherung kombiniert mit technischen Pr\u00fcfmechanismen und klar dokumentierten Freigabeprozessen kann das Risiko deutlich senken, ohne den operativen Nutzen der Reichweitennutzung vollst\u00e4ndig aufzugeben.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt ist die Kosten\u2011Nutzen\u2011Rechnung bei der Gestaltung von Kampagnen. Unternehmen sollten Kosten f\u00fcr Compliance\u2011Ma\u00dfnahmen gegen potenzielle Abmahnkosten, Schadensersatzrisiken und Reputationssch\u00e4den aufrechnen. Die BGH\u2011Entscheidung macht klar: Wer Sichtbarkeit delegiert, delegiert nicht gleichzeitig die Verantwortung. Insofern sollte Compliance\u2011Budget als Teil des Kampagnenbudgets eingeplant werden.<\/p>\n<h2 id=\"schlussfolgerung\">Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>Der BGH hat mit seinem Urteil vom 11. M\u00e4rz 2026 (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>) eine klare Linie gezogen: Wenn ein H\u00e4ndler einem Dritten \u2013 hier Google \u2013 die Aufgabe der Bewerbung seines Produktangebots \u00fcbertr\u00e4gt und diesem die erforderlichen Produktinformationen zur Verf\u00fcgung stellt, erweitert er damit seinen Gesch\u00e4ftsbetrieb und \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr die Werbung. Die Entscheidung betont, dass in der digitalen Werbewelt die Zurechnung nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> weiterhin greift und dass Vertragskonstruktionen oder algorithmische Freiheit der Plattform die Haftung des Werbetreibenden nicht ausschlie\u00dfen. Aus Sicht der Verbraucher\u2011 und Wettbewerbsdurchsetzung st\u00e4rkt das Urteil den Schutz vor unvollst\u00e4ndiger oder irref\u00fchrender Werbung, insbesondere wenn es um informationsrelevante Angaben wie die Energieeffizienzkennzeichnung geht.<\/p>\n<h2 id=\"cta\">Aufruf zur Handlung (LEGAL SMART)<\/h2>\n<p>Unternehmen sollten die Entscheidung zum Anlass nehmen, ihre digitalen Werbeprozesse kritisch zu pr\u00fcfen. LEGAL SMART unterst\u00fctzt Sie dabei, Ihre Google\u2011Ads\u2011Kampagnen und Kooperationsvertr\u00e4ge rechtssicher zu gestalten. 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M\u00e4rz 2026 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>.<\/p>\n<h2 id=\"zusammenfassung\">Zusammenfassung des Artikels<\/h2>\n<p>Der Artikel erl\u00e4utert den Sachverhalt und die Entscheidung des BGH in der Sache <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a>. Ein Versandh\u00e4ndler hatte Google per Kooperationsvereinbarung mit der Schaltung von Anzeigen beauftragt; die Anzeigen enthielten unvollst\u00e4ndige Angaben zur Energieeffizienz. Der BGH sah Google als Beauftragten im Sinn des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/8.html\" title=\"&sect; 8 UWG: Beseitigung und Unterlassung\">\u00a7 8 Abs. 2 UWG<\/a> und hob die vorige Abweisung durch das OLG auf. Das Urteil stellt klar, dass die Auslagerung von Werbeaufgaben die Haftung f\u00fcr Wettbewerbsverst\u00f6\u00dfe nicht automatisch ausschlie\u00dft, insbesondere wenn Unternehmen Produktinformationen bereitstellen und die Werbung ihnen zugutekommt. Praktische Folgen sind umfangreiche Kontroll\u2011, Vertrags\u2011 und Dokumentationspflichten f\u00fcr Unternehmen, die digitale Werbung nutzen.<\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>Aktenzeichen:<\/strong> BGH, Urteil vom 11.03.2026 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2028\/25\" title=\"BGH, 11.03.2026 - I ZR 28\/25: Google-Ads\">I ZR 28\/25<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Umgang mit ausgelagerter Onlinewerbung setzt einen klaren Ma\u00dfstab: Wer Google oder vergleichbare Dienstleister mit der Bewerbung seiner Produkte beauftragt, bleibt f\u00fcr die Rechtskonformit\u00e4t dieser Werbung verantwortlich. Das Urteil (BGH, Urt. v. 11.03.2026 \u2013 I ZR 28\/25) betrifft Onlineh\u00e4ndler ebenso wie alle Unternehmen, die digitale Werbeformen nutzen. 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