{"id":130,"date":"2009-07-15T08:24:44","date_gmt":"2009-07-15T07:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wklegal.de\/wkblog\/2009\/07\/15\/widerrufsfrist-bei-verwendung-der-unberichtigten-musterwiderrufsbelehrung\/"},"modified":"2009-07-15T08:24:44","modified_gmt":"2009-07-15T07:24:44","slug":"widerrufsfrist-bei-verwendung-der-unberichtigten-musterwiderrufsbelehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/widerrufsfrist-bei-verwendung-der-unberichtigten-musterwiderrufsbelehrung\/","title":{"rendered":"Widerrufsfrist bei Verwendung der unberichtigten Musterwiderrufsbelehrung"},"content":{"rendered":"<p>Das OLG Frankfurt a.M. hat mit Beschluss vom 22.06.2009 (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=9%20U%20111\/08\" title=\"OLG Frankfurt, 22.06.2009 - 9 U 111\/08: Widerruf eines Verbraucherdarlehensvertrages: Widerrufs...\">9 U 111\/08<\/a>) entschieden:<\/p>\n<p>Die &#8211; unberichtigte &#8211; Musterwiderrufsbelehrung nach dem Muster zu  \t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB-InfoV\/14.html\" title=\"&sect; 14 BGB-InfoV: (weggefallen)\">&sect;&nbsp;14&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;BGB-InfoV<\/a> vermag die Widerrufsfrist des  \t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/355.html\" title=\"&sect; 355 BGB: Widerrufsrecht bei Verbrauchervertr&auml;gen\">&sect;&nbsp;355&nbsp;Abs.&nbsp;2&nbsp;BGB<\/a> nur dann nicht in Gang zu setzen, wenn  \t\t\t\t\t\t\t\tsich der Mangel der Musterwiderrufsbelehrung im konkreten Fall ausgewirkt hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>G&nbsp;r&nbsp;&uuml;&nbsp;n&nbsp;d e<\/h3>\n<h3>I.<\/h3>\n<p>Die Kl&auml;ger haben in erster Linie die Feststellung verlangt, dass ein mit der Beklagten geschlossener Darlehensvertrag rechtzeitig widerrufen wurde. Hilfsweise haben sie in der Berufung die R&uuml;ckzahlung der von ihnen bisher auf das Darlehen erbrachten Leistungen geltend gemacht, und zwar Zug um Zug gegen R&uuml;ckzahlung der Darlehensvaluta.<\/p>\n<p>Mit Urteil vom 29.10.2008 (Bl.&nbsp;69&nbsp;ff. d.A.), auf das wegen des Sachverhalts im Einzelnen sowie wegen der Entscheidungsgr&uuml;nde Bezug genommen wird, hat das Landgericht die Klage abgewiesen. Hiergegen richtet sich die form- und fristgerecht eingelegte und begr&uuml;ndete Berufung der Kl&auml;ger.<\/p>\n<p>Die Kl&auml;ger wiederholen und vertiefen ihren erstinstanzlichen Vortrag:<\/p>\n<p>Die streitgegenst&auml;ndliche Widerrufsbelehrung sei mangelhaft. Dass sie dem Muster aus der BGB-InfoV entspreche, &auml;ndere nichts daran, dass durch sie die Widerrufsfrist des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/355.html\" title=\"&sect; 355 BGB: Widerrufsrecht bei Verbrauchervertr&auml;gen\">&sect;&nbsp;355&nbsp;II&nbsp;1&nbsp;BGB<\/a> nicht in Gang gesetzt werden konnte. Schlie&szlig;lich habe die Kritik an der Musterbelehrung auch dazu gef&uuml;hrt, dass die BGB-InfoV im M&auml;rz 2008 ge&auml;ndert worden sei (wird ausgef&uuml;hrt). Zudem habe sich das Landgericht nicht mit dem Argument auseinander gesetzt, dass die Beklagte durch die parallele Verwendung der Begriffe &quot;Fremdmitteleinbringungsnachweis&quot; und &quot;Fremdmittelnachweis&quot; jeweils mit gleich bezifferter H&ouml;he von 18.000,-&nbsp;&euro; unlauter gehandelt habe. Eine Aufkl&auml;rung sei unterblieben. Der Widerruf m&uuml;sse aus diesem Grunde auch noch nachtr&auml;glich als Anfechtung ausgelegt werden (wird ausgef&uuml;hrt).<\/p>\n<p>Die Beklagte verteidigt das angefochtene Urteil.<\/p>\n<p>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht haben die Parteien einen Vergleich geschlossen und die Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt. Die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Rechtsstreits haben sie dem Gericht vorbehalten.<\/p>\n<h3>II.<\/h3>\n<p>Nachdem die Parteien den Rechtsstreit im Rahmen des von ihnen geschlossenen Vergleichs in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt haben, war &uuml;ber die Kosten gem&auml;&szlig; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/91a.html\" title=\"&sect; 91a ZPO: Kosten bei Erledigung der Hauptsache\">&sect;&nbsp;91&nbsp;a&nbsp;ZPO<\/a> unter Ber&uuml;cksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstandes nach billigem Ermessen zu entscheiden. Dies f&uuml;hrt zur Auferlegung der Kosten auf die Kl&auml;ger, da sie ohne den Eintritt des erledigenden Ereignisses in der Berufung voraussichtlich unterlegen w&auml;ren.<\/p>\n<p>Die Berufung der Kl&auml;ger w&auml;re erfolglos gewesen, denn das Landgericht hat die Klage zu Recht abgewiesen. Allerdings war die erhobene Feststellungsklage bereits unzul&auml;ssig, was das Landgericht nicht h&auml;tte dahinstehen lassen d&uuml;rfen. Die Kl&auml;ger h&auml;tten n&auml;mlich &#8211; wie der in der Berufung gestellte Hilfsantrag zeigt &#8211; wegen desselben Streitgegenstandes eine Leistungsklage erheben k&ouml;nnen, gegen&uuml;ber der die Feststellungsklage subsidi&auml;r ist.<\/p>\n<p>Auch die hilfsweise erhobene Leistungsklage h&auml;tte der Berufung aber nicht zum Erfolg verhelfen k&ouml;nnen, da sie unbegr&uuml;ndet ist. So ist der streitbefangene Darlehensvertrag nicht durch den Widerruf der Kl&auml;ger unwirksam geworden. Insoweit geht es um die umstrittene Frage, ob die von der Beklagten verwendete Musterwiderrufsbelehrung trotz etwaiger M&auml;ngel im Hinblick auf den Beginn der Widerrufsfrist (&quot;beginnt fr&uuml;hestens mit Erhalt dieser Belehrung&quot;) wirksam ist.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des Senats ist dies zu bejahen. Eine auf Basis der &#8211; alten, inzwischen ge&auml;nderten &#8211; Musterwiderrufsbelehrung erteilte Belehrung ist grunds&auml;tzlich wirksam und setzt die Widerrufsfrist in Gang. Anders kann dies nur dann sein, wenn sich der Mangel im Einzelfall konkret zum Nachteil des Verbrauchers auswirkt (Palandt-Sprau BGB, 68. Auflage, BGB-InfoV 14 Rn 5 &#8211; mit weiteren Nachweisen). Hier bedeutet dies, dass es aufgrund des unsicheren Endes der Widerrufsfrist konkret zu einer Fristvers&auml;umung gekommen sein muss.<\/p>\n<p>Dazu liegen keine Anhaltspunkte vor:<\/p>\n<p>Der Vertrag stammt vom 6.7.2007, die Belehrung wurde am selben Tag &uuml;bergeben. Die Frist lief damit (fr&uuml;hestens) am 20.7.2007 ab. Selbst wenn sich die Kl&auml;ger im Unklaren &uuml;ber das genaue Ende der Frist waren, w&auml;ren sie nur dann schutzw&uuml;rdig, wenn sie den Widerruf im Vertrauen auf das offene Fristende wenige Tage nach dem 20.7.2007 erkl&auml;rt h&auml;tten. Dies ist jedoch nicht der Fall; die Kl&auml;ger haben den Widerruf erst Monate sp&auml;ter &#8211; am 28.11.2007 &#8211; abgegeben. Auch aus der Sicht eines vern&uuml;nftig denkenden Verbrauchers war aber nicht anzunehmen, dass sich das Ende der Widerrufsfrist bis November erstreckte, nachdem s&auml;mtliche Unterlagen bereits ausgetauscht und die Darlehensvaluta bereits ausgezahlt waren.<\/p>\n<p>Soweit die Kl&auml;ger das Klagebegehren auch auf ein angebliches Anfechtungsrecht st&uuml;tzen, h&auml;tte auch dies ihrer Berufung nicht zum Erfolg verhelfen k&ouml;nnen. Der erst vor dem Senat ausgef&uuml;hrte Vortrag der Kl&auml;ger zum angeblichen Irrtum durch T&auml;uschung, dem sie im Hinblick auf die gleichzeitige Verwendung der Begriffe &quot;Fremdmittelnachweis&quot; und &quot;Fremdmitteleinbringungsnachweis&quot; unterlegen sein wollen, durfte in der Berufung nicht mehr ber&uuml;cksichtigt werden (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/531.html\" title=\"&sect; 531 ZPO: Zur&uuml;ckgewiesene und neue Angriffs- und Verteidigungsmittel\">&sect;&nbsp;531&nbsp;II&nbsp;ZPO<\/a>). Etwas anderes w&uuml;rde nur dann gelten, wenn dieser neue Vortrag unstreitig w&auml;re. Die Beklagte hat indes in der m&uuml;ndlichen Verhandlung klargestellt, dass der neue Vortrag der Kl&auml;ger bestritten wird.<\/p>\n<p>Die Streitwertfestsetzung folgt den &Uuml;berlegungen des Landgerichts im Beschluss vom 26.5.2008 (Bl.&nbsp;37 d.A.). Die in der Berufung hilfsweise erhobene Leistungsklage kann schon deshalb nicht zu einer Erh&ouml;hung des Streitwertes f&uuml;hren, weil sie durch die &uuml;bereinstimmende Erledigungserkl&auml;rung nicht rechtsh&auml;ngig geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Frankfurt a.M. hat mit Beschluss vom 22.06.2009 (9 U 111\/08) entschieden: Die &#8211; unberichtigte &#8211; Musterwiderrufsbelehrung nach dem Muster zu &sect;&nbsp;14&nbsp;Abs.&nbsp;1&nbsp;BGB-InfoV vermag die Widerrufsfrist des &sect;&nbsp;355&nbsp;Abs.&nbsp;2&nbsp;BGB nur dann nicht in Gang zu setzen, wenn sich der Mangel der Musterwiderrufsbelehrung im konkreten Fall ausgewirkt 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