{"id":177,"date":"2009-07-27T08:28:25","date_gmt":"2009-07-27T07:28:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wklegal.de\/wkblog\/2009\/07\/27\/lg-hamburg-catch-all-domains-verstosen-gegen-das-markenrecht\/"},"modified":"2009-07-27T08:28:25","modified_gmt":"2009-07-27T07:28:25","slug":"lg-hamburg-catch-all-domains-verstosen-gegen-das-markenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/lg-hamburg-catch-all-domains-verstosen-gegen-das-markenrecht\/","title":{"rendered":"LG Hamburg: Catch-All-Domains versto\u00dfen gegen das Markenrecht"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Entscheidung des Landgericht Hamburg vom 13. Juni 2006 (AZ: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=416%20O%20131\/06\" title=\"LG Hamburg, 13.06.2006 - 416 O 131\/06: Markenrechtsverletzung durch Catch-All-Domain\">416 O 131\/06<\/a>) kann auch die Verwendung einer sog. Catch-All-Funktion bei Domains eine Verletzung des Markenrechts darstellen. Denn bereits durch die Einrichtung der Catch-All-Funktion sei die Gefahr geschaffen, die zur Domain geh&ouml;rende Internetseite auch &uuml;ber sog. Subdomains zu erreichen, die wiederum markenrechtlich gesch&uuml;tzte Zeichen enth&auml;lt.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung st&uuml;tzt &auml;hnliche vorhergehende Entscheidungen. So hatte das OLG N&uuml;rnberg mit Urteil vom 12. April 2006 (AZ: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%201790\/05\" title=\"OLG N&uuml;rnberg, 12.04.2006 - 4 U 1790\/05: &quot;S&uuml;&szlig;&quot;: Verletzung des Namensrechts und des allgemeinen ...\">4 U 1790\/05<\/a>) entschieden, dass der Inhaber einer mit einer &quot;catch-all&quot;-Funktion ausgestatteten Domain (www.suess.de), die bei Eingabe der Domain und eines Vornamens oder dessen Abk&uuml;rzung als Subdomain eine Weiterleitung auf ein Erotikportal bewirkt, den Tr&auml;ger eines gleich lautenden Familiennamens in seinem Namensrecht verletze.<\/p>\n<p>Die Entscheidung des Landgericht Hamburg lautet im Volltext wie folgt:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>LANDGERICHT HAMBURG<\/strong><\/p>\n<p>Im Namen des Volkes<\/p>\n<p>Urteil<\/p>\n<p><strong>Tenor:<\/strong><\/p>\n<p>I. Die einstweilige Verf&uuml;gung der Kammer vom 28. Februar 2006 wird best&auml;tigt.<\/p>\n<p>II. Der Antragsgegner hat auch die weiteren Kosten des Verfahrens zu tragen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Tatbestand:<\/strong><\/p>\n<p>Der Antragsteller nimmt den Antragsgegner wegen behaupteter Markenverletzung auf Unterlassung in Anspruch.<\/p>\n<p>Der Antragsteller ist Inhaber der Wortmarke &bdquo;H.&ldquo; u.a. f&uuml;r Partnervermittlung, Ehevermittlung, Vermittlung von Bekanntschaften usw. mit einer Priorit&auml;t von Februar 2001 (Anl. K1). Unter H..de bietet er eine Internetplattform, auf der sich Singles registrieren k&ouml;nnen, um potentielle Beziehungspartner auf einfache Weise durch Verwendung bestimmter Kriterien zu finden und zu kontaktieren. Hinsichtlich der Einzelheiten wird insoweit auf die Anl. K2 Bezug genommen.<\/p>\n<p>Der Antragsgegnerin betreibt unter den Internetdomains www. f..de und www. f..de ebenfalls ein Kontakt- und Flirtportal. Insoweit wird erg&auml;nzend auf die Anl. K3 und K4 Bezug genommen. Dabei verwendete er als Subdomains u.a. die Domains &bdquo;H..gratisflirten. f..de&ldquo; und &bdquo;H..singles-kostenlos. f..de&ldquo; (Anl. K5). Zudem verwendete der Antragsgegner das Zeichen &bdquo;H.&ldquo; auf verschiedenen Internetseiten als Keyword (Anl. K6).<\/p>\n<p>Der Antragsteller sieht hierin eine Verletzung seiner Marke.<\/p>\n<p>Er tr&auml;gt vor,<br \/>\nder Antragsgegner verwende seine, des Antragstellers Marke im gesch&auml;ftlichen Verkehr. Auch eine Benutzung als Keyword stelle eine Markenverletzung dar. Die Antragsgegner k&ouml;nne auch nicht mit seinem Vorbringen zu dem installierten CatchAll-Systems und der automatischen Weiterleitung geh&ouml;rt werden, da die Installation dieses Systems willentlich erfolgt und damit das bewusste Risiko eingegangen worden sei, die Marke des Antragstellers zu verletzen.<\/p>\n<p>Die Kammer hat auf der Grundlage der Antragsschrift dem Antragsgegner im Wege der einstweiligen Verf&uuml;gung unter Androhung der gesetzlich vorgesehenen Ordnungsmittel mit Beschluss vom 28. Februar 2006 verboten,<\/p>\n<p>ohne Zustimmung des Antragstellers im gesch&auml;ftlichen Verkehr die Bezeichnung &bdquo;H.&ldquo; f&uuml;r den Bereich Betrieb einer Kontaktb&ouml;rse im Internet, insbesondere zur Suchmaschinenoptimierung als Verzeichnis- oder Dateinamen zu verwenden.<\/p>\n<p>Hiergegen richtet sich der Widerspruch des Antragsgegners.<\/p>\n<p>Der Antragsteller beantragt nunmehr,<\/p>\n<p>die einstweilige Verf&uuml;gung vom 28. Februar 2006 zu best&auml;tigen.<\/p>\n<p>Der Antragsgegner beantragt,<\/p>\n<p>die einstweilige Verf&uuml;gung aufzuheben und den auf ihren Erlass gerichteten Antrag zur&uuml;ckzuweisen.<\/p>\n<p>Er tr&auml;gt vor, die Benutzung der Subdomain &bdquo;H.&ldquo; sei f&uuml;r das Auffinden der Internetseite des Antragsgegners ohne jede Relevanz. Die f&uuml;r den Antragsgegner reservierten Internetdomains &bdquo;f.&ldquo; und &bdquo;f.&ldquo; seien mit einem so genannten catch all-System gekoppelt. Das bedeute, dass jeder, der eine &bdquo;f.&ldquo; oder &bdquo;f.&ldquo; &ndash; Kombination eingebe, bei dem Antragsgegner lande. Dies gelte etwa auch bei der Eingabe der Domain &bdquo;bmw. f..de&ldquo; oder &bdquo;axy. f..de&ldquo;. Das blo&szlig;e Einrichten einer catch all-Funktion sei aber keine missbr&auml;uchliche Benutzung eines Zeichens, da dies ein bewusstes, zielgerichtetes und aktives Benutzen genau dieser Marke voraussetze. Was den Screenshot bei G. betreffe, habe er das beanstandete Zeichen l&auml;ngst gel&ouml;scht. Seit Anfang 2005 sei dieses Zeichen auf seiner Homepage nicht mehr vorhanden. Allerdings habe G. auf diese &Auml;nderung nicht reagiert und f&uuml;hre die Speicherung fort. Hierauf habe er aber keinen Einfluss. Auf eine Aufforderung an G., die Trefferbegriffe zu &auml;ndern, habe G. nicht reagiert.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Schrifts&auml;tze der Parteien nebst Anlagen Bezug genommen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Gr&uuml;nde:<\/strong><\/p>\n<p>Die einstweilige Verf&uuml;gung erweist sich auch in Ansehung der Widerspruchsbegr&uuml;ndung als zu Recht ergangen und ist demgem&auml;&szlig; zu best&auml;tigen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">1.<\/p>\n<p>Dem Antragsteller steht gegen den Antragsgegner ein Anspruch aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/14.html\" title=\"&sect; 14 MarkenG: Ausschlie&szlig;liches Recht des Inhabers einer Marke, Unterlassungsanspruch, Schadensersatzanspruch\">&sect; 14 Abs.2 Nr. 2 Abs.5 MarkenG<\/a> zu.<\/p>\n<p>Unstreitig hat der Antragsteller die prorit&auml;tbesseren Rechte an dem Zeichen &bdquo;H.&ldquo;. Gegen diese priorit&auml;tsbesseren Rechte hat der Antragsgegner versto&szlig;en, sodass dem Antragsteller Unterlassungsanspr&uuml;che zustehen.<\/p>\n<p>Entgegen dem Antragsgegner f&uuml;hrt die Benutzung einer catch all-Funktion nicht dazu, dass es an einer markenm&auml;&szlig;igen Verwendung des Zeichens des Antragstellers fehlt. So wie die Kammer die Ausf&uuml;hrungen der Parteien zu der catch all-Funktion verstanden hat, f&uuml;hrt deren Einrichtung dazu, dass jede Kombination mit der Domain &bdquo;f..de&ldquo; auf die Seite des Antragsgegners f&uuml;hrt. Dies kann &bdquo;BMW&ldquo; &bdquo;xyz&ldquo; oder eben auch &bdquo;H.&ldquo; sein. Hierin liegt eine Markenverletzung. Denn bereits die Einrichtung des catch all-Systems bewirkt die Gefahr, dass bei Kombination des Zeichens des Antragsgegners mit einem Drittzeichen der Verkehr zu der Domain des Antragsgegners hin kanalisiert wird. Diese Gefahr hat sich vorwiegend realisiert. Es besteht aber kein Grund, den Antragsgegner deswegen besser zu stellen, weil nicht nur die Kombination &bdquo;H.. f..de&ldquo;, sondern auch alle anderen Kombinationen in Verbindung mit &bdquo;f.&ldquo; zu ihm hinf&uuml;hren. Nach Auffassung der Kammer muss in einem solchen Fall f&uuml;r jede Kombination gepr&uuml;ft werden, ob ihre Benutzung in den Schutzbereich des Zeichens eines Dritten hineinf&uuml;hrt zumal der Verkehr nicht wei&szlig;, dass der Antragsgegner eine catch all-Funktion verwendet. F&uuml;r den angesprochenen User stellt sich vielmehr die Situation so dar, dass er bei Eingabe der Subdomain &bdquo;H.&ldquo; (mit der Kombination) zum Antragsgegner geleitet wird. Dass dies auch bei jeder anderen Kombination der Fall gewesen w&auml;re, wei&szlig; der angesprochene Verkehr nicht, steht also einer Benutzung des Zeichens als betrieblicher Herkunftshinweis nicht entgegen.<\/p>\n<p>An der markenm&auml;&szlig;igen Verwendung des Zeichens als betrieblicher Herkunftshinweis hat die Kammer danach keinen Zweifel<\/p>\n<p>Die sich gegen&uuml;berstehenden Zeichen &bdquo;H.&ldquo; einerseits und &bdquo;H.. f..de&ldquo; bzw. &bdquo;H.. f..de&ldquo; sowie H..gratsiflirten. f..de und H..singles-kostenlos. f..de sind verwechslungsf&auml;hig.<\/p>\n<p>Bei der Pr&uuml;fung der sich gegen&uuml;berstehenden Zeichen ist im Rahmen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/14.html\" title=\"&sect; 14 MarkenG: Ausschlie&szlig;liches Recht des Inhabers einer Marke, Unterlassungsanspruch, Schadensersatzanspruch\">&sect; 14 Abs.2 Nr. 2 MarkenG<\/a> von dem allgemein anerkannten Grundsatz auszugehen, dass zwischen allen in Betracht zu ziehenden Umst&auml;nden, n&auml;mlich der Kennzeichnungskraft des Klagzeichens, dem &Auml;hnlichkeitsgrad der einander gegen&uuml;ber stehenden Zeichen und dem wirtschaftlichen Abstand der Warenbereiche eine Wechselwirkung besteht, wonach eine h&ouml;here Kennzeichnungskraft des Klagzeichens oder ein h&ouml;herer Grad der &Auml;hnlichkeit der Zeichen einen gr&ouml;&szlig;eren Abstand bei den angebotenen Waren-\/Dienstleistungen ausgleichen kann und umgekehrt (BGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%202002,%20898\" title=\"BGH, 21.02.2002 - I ZR 230\/99: Defacto.de\">GRUR 2002, 898<\/a>, 899 &bdquo;defacto&ldquo;; BGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%202001,%201161\" title=\"BGH, 15.02.2001 - I ZR 232\/98: CompuNet\/ComNet; Verwechslungsgefahr\">GRUR 2001, 1161<\/a>, 1162 &bdquo;CompuNet\/ComNet&ldquo;).<\/p>\n<p>Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tzen besteht angesichts der hochgradigen Zeichen&auml;hnlichkeit und Branchenidentit&auml;t kein Zweifel am Vorliegen einer Verwechslungsgefahr.<\/p>\n<p>Daneben h&auml;lt die Kammer auch die Ausf&uuml;hrungen des OLG N&uuml;rnberg (Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20U%201790\/05\" title=\"OLG N&uuml;rnberg, 12.04.2006 - 4 U 1790\/05: &quot;S&uuml;&szlig;&quot;: Verletzung des Namensrechts und des allgemeinen ...\">4 U 1790\/05<\/a>, Urteil vom 12. April 2006 = Anl. K ) f&uuml;r &uuml;berzeugend und macht sich diese zu eigen.<\/p>\n<p align=\"center\">2.<\/p>\n<p>Auch hinsichtlich der Einrichtung der &bdquo;keywords&ldquo; besteht ein Unterlassungsanspruch.<br \/>\nDie Kammer h&auml;lt in diesem Zusammenhang ohne weiteres die Rechtsprechung f&uuml;r anwendbar, die zu den vergleichbaren Problemen bei der Verwendung von Meta-Tags entwickelt worden ist. Nach der vom Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg vertretenen Rechtsprechung kommt es auch hier ma&szlig;geblich darauf an, ob der Verkehr die Benutzung eines bestimmten Zeichens als Herkunftshinweis ansieht. Dies wird in aller Regel dann der Fall sein, wenn es sich bei dem Zeichen um eine Phantasiebezeichnung handelt, die keinen beschreibenden Inhalt erkennen l&auml;sst (OLG Hamburg, Urteil vom 6. Mai 2004, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20U%2034\/02\" title=\"OLG Hamburg, 06.05.2004 - 3 U 34\/02: Zur Markenrechtsverletzung durch Verwendung einer fremden ...\">3 U 34\/02<\/a>, zitiert nach juris). Bei &bdquo;H.&ldquo; handelt es sich zwar um ein sprechendes Zeichen, gleichwohl um eine Phantasiebezeichnung, die ohne weiteres als betrieblicher Herkunftshinweis geeignet ist.<\/p>\n<p>Auch insoweit stellt sich die Nutzung daher als Markenverletzung dar, so dass dem Antragsteller ein Unterlassungsanspruch aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/14.html\" title=\"&sect; 14 MarkenG: Ausschlie&szlig;liches Recht des Inhabers einer Marke, Unterlassungsanspruch, Schadensersatzanspruch\">&sect; 14 Abs.2 Nr. 2, Abs.5 MarkenG<\/a> zusteht.<\/p>\n<p>Die einstweilige Verf&uuml;gung war nach allem zu best&auml;tigen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Die Kostenentscheidung folgt aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/91.html\" title=\"&sect; 91 ZPO: Grundsatz und Umfang der Kostenpflicht\">&sect; 91 ZPO<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Entscheidung des Landgericht Hamburg vom 13. 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