{"id":6340,"date":"2018-11-02T09:50:00","date_gmt":"2018-11-02T08:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=6340"},"modified":"2018-10-29T21:54:18","modified_gmt":"2018-10-29T20:54:18","slug":"eugh-bei-der-beurteilung-der-gewerblichkeit-von-online-verkaeufen-ist-nicht-allein-die-artikelanzahl-entscheidend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/eugh-bei-der-beurteilung-der-gewerblichkeit-von-online-verkaeufen-ist-nicht-allein-die-artikelanzahl-entscheidend\/","title":{"rendered":"EuGH: bei der Beurteilung der Gewerblichkeit von Online-Verk\u00e4ufen ist nicht allein die Artikelanzahl entscheidend"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage, ob es sich im Rahmen des Online-Handels um eine gewerbliche oder nicht gewerbliche T\u00e4tigkeit des Verk\u00e4ufers handelt hat gro\u00dfen Einfluss auf dessen Pflichten gegen\u00fcber dem K\u00e4ufer. So muss ein gewerblicher Verk\u00e4ufer etwa in einem Impressum Auskunft \u00fcber seine Identit\u00e4t geben, einem K\u00e4ufer, der Verbraucher ist, ein Widerrufsrecht gew\u00e4hren, \u00fcber dieses entsprechend informieren und ein Musterwiderrufsformular bereithalten, um nur einige Punkte zu nennen. Wer diese Pflichten verletzt, riskiert gegebenenfalls eine Abmahnung oder sogar eine Klage auf Schadensersatz.<br \/>\nDoch wann handelt jemand im Rahmen des Online-Handels gewerblich und welche Punkte sind bei der Beurteilung entscheidend?<\/p>\n<p>Da die Beantwortung dieser Frage ein h\u00e4ufig auftretendes Problem darstellt, haben sich in der Vergangenheit schon etliche deutsche Gerichte mit dem Thema auseinandergesetzt, so auch der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil aus dem Jahr 2008 (BGH, Urteil vom 04.12.2008, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%203\/06\" title=\"BGH, 04.12.2008 - I ZR 3\/06: Ohrclips - Bewerbung &quot;&agrave; la Cartier&quot; f&uuml;r Cartier-fremde Produkte is...\">I ZR 3\/06<\/a>).<\/p>\n<p>In diesem stellten die Richter fest, dass die Beurteilung, ob ein Anbieter auf einer Internet-Plattform im gesch\u00e4ftlichen Verkehr oder im privaten Bereich handelt, aufgrund einer \u201eGesamtschau der relevanten Umst\u00e4nde\u201c vorzunehmen ist. Als Indizien k\u00f6nnen laut des Urteils wiederholte, gleichartige Angebote, gegebenenfalls auch von neuen Gegenst\u00e4nden, Angebote erst kurz zuvor erworbener Waren, eine ansonsten gewerbliche T\u00e4tigkeit des Anbieters, h\u00e4ufige K\u00e4uferbewertungen und Verkaufsaktivit\u00e4ten f\u00fcr Dritte herangezogen werden. In dem, der Entscheidung zugrunde liegenden, Fall hatte der Beklagte innerhalb von f\u00fcnf Wochen 91 Verk\u00e4ufe get\u00e4tigt und 25 Kundenbewertungen erhalten. Auf Grundlage dieser Tatsachen sahen die Richter in seinem Verhalten ein gewerbliches Handeln.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich hatte sich nun auch der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) mit der Frage der Gewerblichkeit von Online-Verk\u00e4ufen auseinanderzusetzen (EuGH, Urteil vom 04.10.2018, Az.<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=C-105\/17\" title=\"C-105\/17 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">C-105\/17<\/a>). Der Entscheidung lag folgender, in Bulgarien spielender, Sachverhalt zugrunde: Ein Verbraucher hatte auf einer Online-Plattform eine Armbanduhr gekauft, die ihn allerdings nicht zufriedenstellte, weshalb er den Kaufvertrag gegen\u00fcber der Verk\u00e4uferin wiederrief. Diese weigerte sich jedoch die Uhr zur\u00fcckzunehmen und den Kaufpreis zur\u00fcckzuzahlen, da sie als Privatperson dazu nicht verpflichtet sei. Sie hatte auf der Plattform noch acht weiter Angebote ver\u00f6ffentlicht. Die Verk\u00e4uferin zog vor Gericht. Im Laufe des Verfahrens wurde dem EuGH dann die Frage zu Entscheidung vorgelegt, ob eine Person als Gewerbetreibender einzustufen sei, weil sie gleichzeitig mehrere Anzeigen f\u00fcr den Verkauf verschiedener Waren ver\u00f6ffentlicht habe.<\/p>\n<p>In der Entscheidung wird zun\u00e4chst darauf hingewiesen, dass eine Einstufung als Gewerbetreibender oder Unternehmer eine \u201eVorgehensweise von Fall zu Fall\u201c erfordert. Es sei somit anhand aller vorliegenden tats\u00e4chlichen Angaben zu pr\u00fcfen, ob die betreffende Person im Rahmen ihrer gewerblichen, handwerklichen oder beruflichen T\u00e4tigkeit oder im Namen oder Auftrag eines Gewerbetreibenden oder Unternehmers gehandelt habe. Auch nach Ansicht des EuGH ist also eine Beurteilung anhand des Einzelfalles erforderlich.<\/p>\n<p>Dabei soll nach Ansicht der Richter des EuGH insbesondere entscheidend sein, ob der Verkauf planm\u00e4\u00dfig erfolgt und die Verk\u00e4ufe und Angebote eine gewisse Regelm\u00e4\u00dfigkeit aufweisen, zudem ob ein Erwerbszweck verfolgt wird. Des Weiteren kann entscheidend sein, ob die verkauften Waren alle gleichartig sind oder denselben Wert haben, beziehungsweise sich das Angebot auf eine begrenzte Anzahl von Waren konzentriert. Zu beachten sei \u00fcberdies auch die Rechtsform des Verk\u00e4ufers und die Frage, ob dieser \u00fcber gewisse Informationen oder technische F\u00e4higkeiten hinsichtlich der von ihm zum Verkauf angebotenen Waren verf\u00fcgt, sodass er sich gegen\u00fcber dem K\u00e4ufer in einer vorteilhaften Position befindet.<\/p>\n<p>In der Entscheidung wird jedoch im Anschluss erl\u00e4utert, dass diese Kriterien weder abschlie\u00dfend noch ausschlie\u00dflich seien. Aus diesem Grund sei der Umstand, dass \u201eeines oder mehrere von ihnen erf\u00fcllt sind, f\u00fcr sich genommen grunds\u00e4tzlich nicht ausreichend, um zu beurteilen, ob der Online-Verk\u00e4ufer unter den Begriff Gewerbetreibender beziehungsweise Unternehmer\u201c falle. Nach Ansicht der Richter reichte es somit f\u00fcr die Annahme einer Gewerblichkeit nicht allein aus, wenn eine Person gleichzeitig eine Reihe von Anzeigen auf einer Online-Plattform ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Allein die Anzahl der eingestellten Artikel ist also nicht entscheidend. Der EuGH stellt mit seinem Urteil ein wenig h\u00f6here Anforderungen an die Annahme der gewerblichen T\u00e4tigkeit, als dies aus dem Urteil des BGH von 2008 hervorgeht. Beide Gerichte sind sich allerdings darin einig, dass die Beurteilung stets anhand einer Einsch\u00e4tzung im Einzelfall vorzunehmen ist.<br \/>\nDie oben aufgeworfene Frage, wann eine Person im Rahmen des Online-Handels gewerblich handelt, kann also nicht generell beantwortet werden, sondern ist anhand des Einzelfalles, unter Beachtung der von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien zu beurteilen. Nach dem neuen Urteil des EuGH d\u00fcrfte jedoch nun klar sein, dass das Vorliegen lediglich eines der Merkmale nicht ausreichend ist, vielmehr m\u00fcssen wohl mehrere Kriterien kumulativ vorliegen, um eine gewerbliche T\u00e4tigkeit des Verk\u00e4ufers zu bejahen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, ob es sich im Rahmen des Online-Handels um eine gewerbliche oder nicht gewerbliche T\u00e4tigkeit des Verk\u00e4ufers handelt hat gro\u00dfen Einfluss auf dessen Pflichten gegen\u00fcber dem K\u00e4ufer. 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