{"id":6344,"date":"2018-11-04T09:03:36","date_gmt":"2018-11-04T08:03:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=6344"},"modified":"2018-10-29T22:07:47","modified_gmt":"2018-10-29T21:07:47","slug":"bgh-zulaessigkeit-von-bewertungsaufforderungen-per-e-mail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/bgh-zulaessigkeit-von-bewertungsaufforderungen-per-e-mail\/","title":{"rendered":"BGH: Zul\u00e4ssigkeit von Bewertungsaufforderungen per E-Mail"},"content":{"rendered":"<p>Kundenbewertungen vor allem von Onlineh\u00e4ndlern sind heute an der Tagesordnung und k\u00f6nnen f\u00fcr den Kunden ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Gesch\u00e4ftspartners sein. Verst\u00e4ndlicherweise sind positive Bewertungen den H\u00e4ndlern folglich sehr wichtig und sie m\u00f6chten m\u00f6glichst von jedem Kunden eine solche erhalten. Doch wie offensiv darf dabei um die Abgabe einer solchen Bewertung geworben, beziehungsweise der Kunde dazu aufgefordert werden?<\/p>\n<p>Mit dieser Frage hatten sich vor einiger Zeit auch die Richter des Bundesgerichtshofes (BGH) zu besch\u00e4ftigen (BGH, Urteil vom 10.07.2018, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20225\/17\" title=\"BGH, 10.07.2018 - VI ZR 225\/17: Pers&ouml;nlichkeitsrechtsverletzung: Verwendung einer E-Mail-Adress...\">VI ZR 225\/17<\/a>). Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kl\u00e4ger hatte bei dem Beklagten, einem Online-H\u00e4ndler, Waren bestellt. Die entsprechende Rechnung erhielt er per E-Mail zusammen mit folgendem Schreiben:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eVielen Dank, dass sie den Artikel bei uns gekauft haben. Wir sind ein junges Unternehmen und deshalb auf gute Bewertungen angewiesen. Deshalb bitten wir Sie darum, wenn Sie mit unserem Service zufrieden waren, uns f\u00fcr Ihren Einkauf eine 5-Sterne Beurteilung zu geben. Sollte es an dem gelieferten Artikel oder unserem Service etwas auszusetzen geben, w\u00fcrden wir Sie herzlich darum bitten, uns zu kontaktieren. Dann k\u00f6nnen wir uns des Problems annehmen. Zur Bewertung: \u00fcber folgenden Link einloggen und eine positive 5-Sterne Beurteilung abgeben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Daraufhin machte der Kl\u00e4ger einen Anspruch auf Unterlassen aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/823.html\" title=\"&sect; 823 BGB: Schadensersatzpflicht\">\u00a7 823 Abs. 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/1004.html\" title=\"&sect; 1004 BGB: Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch\">\u00a7 1004 Abs. 1 S. 2 BGB<\/a> wegen eines rechtswidrigen Eingriffes in sein allgemeines Pers\u00f6nlichkeitsrecht geltend.<\/p>\n<p>Bei seiner Beurteilung stellte das Gericht zun\u00e4chst fest, dass die Verwendung elektronischer Post f\u00fcr Zwecke der Werbung ohne Einwilligung des Betroffenen grunds\u00e4tzlich einen Eingriff in dessen gesch\u00fctzte Privatsph\u00e4re und damit auch in sein allgemeines Pers\u00f6nlichkeitsrecht darstellt. Ein solches Vorgehen sei deshalb grunds\u00e4tzlich nur mit vorheriger Einwilligung des Betroffenen zul\u00e4ssig. Der Begriff der Werbung umfasse dabei alle Ma\u00dfnahmen eines Unternehmers, die auf die F\u00f6rderung des Absatzes seiner Produkte oder Dienstleistungen gerichtete sind. Unter \u201eWerbung\u201c sei somit nicht nur die unmittelbare produktbezogene Werbung zu verstehen, sondern auch die mittelbare Absatzf\u00f6rderung, zum Beispiel in Form der Imagewerbung.<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Richter dienen Zufriedenheitsabfragen bei Kunden zumindest auch der Kundenbindung und der F\u00f6rderung k\u00fcnftiger Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse, weshalb es sich auch im vorliegenden Fall um Werbung handele. Auch die Tatsache, dass die Bewertungsaufforderung zusammen mit der Rechnung, bei der es sich nicht um Werbung handele, verschickt worden sei, \u00e4ndere nichts an dieser Einordnung.<\/p>\n<p>Daraufhin nahm das Gericht die, f\u00fcr die Beurteilung der Rechtswidrigkeit des Eingriffs erforderliche, Interessenabw\u00e4gung vor. Dabei wurde das Recht des Kl\u00e4gers auf Schutz seiner Pers\u00f6nlichkeit und Achtung seiner Privatsph\u00e4re dem berechtigten Interesse des Beklagten, mit dem Kunden zum Zwecke der Werbung Kontakt aufzunehmen gegen\u00fcbergestellt. F\u00fcr die Beurteilung zur Hilfe genommen wurden die Wertungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 2 und Abs. 3<\/a> des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).<\/p>\n<p>Die Richter vertraten schlie\u00dflich die Ansicht, dass im zu entscheidenden Fall weder eine Einwilligung des Betroffenen vorlag, noch eine Ausnahme f\u00fcr Bestandskunden greife, da der Kunde bei der Angabe seiner Mail-Adresse nicht darauf hingewiesen worden war, dass diese auch f\u00fcr werbliche Zwecke genutzt werden w\u00fcrde, er aber einer solchen Verwendung widersprechen k\u00f6nne. Insbesondere, da ein solcher Hinweis dem Beklagten durchaus m\u00f6glich und zumutbar gewesen w\u00e4re, kamen die Richter letztendlich zu der \u00dcberzeugung, dass vorliegend die Interessen des Kl\u00e4gers die des Beklagten \u00fcberwiegen und die Versendung der Bewertungsaufforderung demzufolge rechtswidrig war.<\/p>\n<p>Die Richter bejahten folglich einen Anspruch des Kl\u00e4gers auf Unterlassen nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/823.html\" title=\"&sect; 823 BGB: Schadensersatzpflicht\">\u00a7 823 Abs. 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/1004.html\" title=\"&sect; 1004 BGB: Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch\">\u00a7 1004 Abs. 1 S. 2 BGB<\/a> wegen eines rechtswidrigen Eingriffes in sein allgemeines Pers\u00f6nlichkeitsrecht.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte jedoch sogar noch einem Schritt weitergehen: Der BGH hatte im Rahmen seines Urteils nur die Frage nach der Rechtswidrigkeit der Zusendung der Bewertungsaufforderung zu beantworten. Doch wie sieht es mit dem Inhalt des Schreibens aus? Schon in diesem k\u00f6nnte eine wettbewerbsrechtlich unzul\u00e4ssige Beeinflussung des Kunden gesehen werden.<\/p>\n<p>Durch die Vorliegende Formulierung wird der Kunde ausschlie\u00dflich dazu aufgefordert eine positive Bewertung anzugeben. Es wird ihm nicht vor Augen gef\u00fchrt, dass auch die Abgabe einer negativen Bewertung m\u00f6glich ist. Vielmehr wird der Kunde durch die Formulierung dazu gedr\u00e4ngt, falls er mit dem Service nicht zufrieden sein sollte, keine Bewertung abzugeben, sondern den Dialog mit dem Unternehmer zu suchen. Auch wenn das Anliegen als Bitte formuliert ist, wird der Kunde so in gewisser Weise unter Druck gesetzt und es besteht zumindest die M\u00f6glichkeit, dass das Gesamtbild der Bewertungen verzerrt wird. Darin lie\u00dfe sich dann ohne weiteres eine irref\u00fchrende Werbung sehen.<\/p>\n<p>Auch darf dem Kunden f\u00fcr die Abgabe einer Bewertung keine Gegenleistung, etwa in Form eines Rabattes oder Gutscheins, versprochen werden, da auch in diesem Fall der Kunde beeinflusst werden k\u00f6nnte. Andernfalls muss zumindest direkt an der Werbung mit der Bewertung darauf hingewiesen werden, dass diese \u201egekauft\u201c ist (OLG Hamm, Urteil vom 23.11.2010, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I-4%20U%20136\/10\" title=\"OLG Hamm, 23.11.2010 - 4 U 136\/10: Wettbewerbswidrigkeit der Werbung mit erkauften Bewertungen\">I-4 U 136\/10<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Bei der Aufforderung zur Abgabe einer Kundenbewertung sollte also generell sehr vorsichtig und diskret vorgegangen werde. Zuerst muss eine entsprechende Einwilligung des Kunden vorliegen, der Text der Aufforderung darf nicht zu offensiv formuliert sein und den Kunden bereits in eine bestimmte Richtung dr\u00e4ngen. Zudem darf auch keine Gegenleistung f\u00fcr die Bewertung versprochen werden. Werden diese Punkte nicht beachtet, so drohen Abmahnungen und Geldbu\u00dfen in empfindlicher H\u00f6he.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kundenbewertungen vor allem von Onlineh\u00e4ndlern sind heute an der Tagesordnung und k\u00f6nnen f\u00fcr den Kunden ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Gesch\u00e4ftspartners sein. Verst\u00e4ndlicherweise sind positive Bewertungen den H\u00e4ndlern folglich sehr wichtig und sie m\u00f6chten m\u00f6glichst von jedem Kunden eine solche erhalten. 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