{"id":6363,"date":"2019-01-15T15:15:22","date_gmt":"2019-01-15T14:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=6363"},"modified":"2019-01-15T15:15:22","modified_gmt":"2019-01-15T14:15:22","slug":"schleichwerbung-und-unlauterer-wettbewerb-was-sich-influencer-jetzt-anhoeren-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/schleichwerbung-und-unlauterer-wettbewerb-was-sich-influencer-jetzt-anhoeren-muessen\/","title":{"rendered":"Schleichwerbung und unlauterer Wettbewerb \u2013 was sich Influencer jetzt anh\u00f6ren m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>Influencer sind wegen angeblicher Schleichwerbung und unlauterem Wettbewerb gerade sehr stark ins Visier geraten und finden sich in verschiedenen F\u00e4llen vor Gericht wieder, wie u.a. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/webwelt\/article185601258\/Schleichwerbung-Post-von-den-Instagram-Abmahnern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Welt<\/a> bereits am 17.12.2018 berichteten. So auch Vanessa Blumenthal, Mitte zwanzig, aus Aachen. Sie ist Influencerin. Sie stellt Fotos und Videos von sich ins Netz und verdient damit ihr Geld.<\/p>\n<h2>Social-Media-Influencer als Traumjob?<\/h2>\n<p>\u201eIch m\u00f6chte sp\u00e4ter mal Influencer werden.\u201c, m\u00fcssen sich heute wohl viele Eltern von ihren T\u00f6chtern anh\u00f6ren. Schmuck, Klamotten und Reisen geschenkt bekommen, und daf\u00fcr im Gegenzug nur ein paar Fotos mit dem entsprechenden Produkt hochladen. Klingt super! Obendrauf gibt es auch noch jede Menge Follower und digitale Anerkennung. Doch hinter den Videos und Bildern steckt jede Menge Arbeit. Und die Social-Media-Pers\u00f6nlichkeiten geben viel von ihrem Leben und ihrer Privatsph\u00e4re preis.<\/p>\n<h2>(Kein) Ruhm f\u00fcr die Offenlegung der Privatsph\u00e4re<\/h2>\n<p>Verdienen Social-Media-Nutzer durch das Posten von Inhalten Geld, sind sie verpflichtet, ihre Beitr\u00e4ge als Anzeige bzw. Werbung zu deklarieren. Daran hielt sich auch \u201evanezia_blum\u201c, wie sich die Aachener Influencerin mit \u00fcber 300.000 Followern bei Instagram nennt \u2013 dachte sie zumindest. Denn nun streitet sie sich mit dem Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) wegen unlauteren Wettbewerbs und Schleichwerbung vor Gericht. Sie selbst hat n\u00e4mlich nur solche Bilder als Werbung markiert, f\u00fcr die Sie von Unternehmen Geld bekommt. Alle andere sei ihre Privatsph\u00e4re, sagt sie. Das sieht der VSW anders und fordert von Vanessa mit Abmahnungen die Unterzeichnung einer Unterlassungserkl\u00e4rung und Zahlung von 5000 Euro pro verlinktem Bild ohne Kennzeichnung. Indem sie ihre \u201eprivaten\u201c Bilder mit Verlinkungen zu Orten und Personen versah, habe sie Schleichwerbung betrieben. Das begr\u00fcndet der Verband damit, dass sie mit den Verlinkungen kommerzielle Inhalte erschaffe, mit denen sie sich selbst vermarkte und mehr Follower generiere. Der Profit des Fotos bestehe also nicht aus Geld, sondern Aufmerksamkeit und immer gr\u00f6\u00dfer werdender Reichweite.<\/p>\n<h2>Unklare Rechtslage<\/h2>\n<p>Vanessa Blumenthal ist weder die Einzige noch die Erste, die sich wegen dieses Themas vor Gericht streitet. Das verunsichert nicht nur andere Influencer, sondern auch viele Social-Media-Nutzer, die sich nun fragen, ob sie jedes Bild und jeden Text mit \u201eWerbung\u201c \u00fcberschreiben m\u00fcssen, weil sie Verlinkungen enthalten. Beide Seiten, Vanessa und der VSW w\u00fcnschen sich aus diesem Grund ein Grundsatzurteil. Die Rechtslage soll diesbez\u00fcglich gekl\u00e4rt werden, sodass Social-Media-Nutzer wissen, wie sie sich online bei Markennennungen zu verhalten haben.<\/p>\n<p>Der Verband selbst sagt dazu, dass es ihm um nur um Influencer mit gro\u00dfer Reichweite gehe, um die Macht und den Einfluss von Social-Media-Marketing einzugrenzen. Auf der anderen Seite stehen aber eben diese Influencer und fragen sich, welche Konsequenzen die entsprechenden Urteile f\u00fcr sie haben k\u00f6nnten. Unter anderem geht es ihnen um das Szenario, dass sie Kleidung oder Accessoires tragen, die mit Markenlogos verziert sind. Laden sie diese dann auf ihren Social-Media-Account hoch und betiteln das Foto mit \u201eWerbung\u201c, riskieren sie selbst eine Abmahnung vom jeweiligen Markeninhaber, da sie den Nutzern suggerieren, eine Werbekooperation mit diesem Unternehmen zu haben, die gar nicht besteht. Es wirkt dann so, als w\u00fcrden sie mithilfe des Markennamens ihr Ansehen im Netz steigern wollen, wogegen die Markeninhaber aber wiederum vorgehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h2>Und nun?<\/h2>\n<p>Wie das zust\u00e4ndige Gericht im Fall Blumenthal-VSW entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Trotzdem gibt es bereits Entscheidungen von Gerichten und Richtlinien, die Influencer einhalten sollten und k\u00f6nnen, um Abmahnungen zu entgehen. Als Grundregel gilt:<\/p>\n<p>Nicht als Werbung zu kennzeichnen sind sachliche Informationen und eigene Meinungs\u00e4u\u00dferungen bei selbsterworbenen Artikeln. Das hei\u00dft andersherum, dass Beitr\u00e4ge oder Fotos einerseits dann als Werbung zu kennzeichnen sind, sobald man sie vom entsprechenden Unternehmen geschenkt bekommt oder ein Honorar erh\u00e4lt. Andererseits aber auch dann, wenn das entsprechende Produkt zwar selbst gekauft wurde, aber einen wesentlichen Teil des jeweiligen Posts ausmacht und durch eine stark positive Darstellung einen kommerziellen Eindruck erweckt.<\/p>\n<p>Letzteres hat das Landgericht Berlin im Mai 2018 entschieden, als der Streit einer Bloggerin gegen einen Verband vor Gericht ging. Sie hat, genauso wie Vanessa Blumenthal, Fotos gepostet, bei denen sie die dazugeh\u00f6rigen Marken verlinkte. Dies tat sie nach eigenen Angaben, um Fragen vorzubeugen, wo sie die Produkte gekauft habe und, um ihre Follower auf dem Laufenden zu halten. Der Verband und das Gericht qualifizierten dies als unzul\u00e4ssige Schleichwerbung, bei der sie als \u201enicht unbedeutende Influencerin\u201c den Eindruck vermittle, privat zu handeln, obwohl sie in Wirklichkeit kommerziell Werbung mache. Das ergebe sich daraus, dass der Verbraucher durch die Posts beeinflusst und veranlasst wird, Eink\u00e4ufe bei der jeweiligen Marke zu t\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Ferner muss die Kennzeichnung zu Beginn des Postings erfolgen, deutlich erkennbar sein und bei jedem erw\u00e4hnten Produkt und Hersteller erscheinen. Des Weiteren sollten deutsche Begriffe verwendet werden \u2013 nicht \u201esponsored\u201c oder \u201ead(-vertisement)\u201c, sondern \u201eWerbung\u201c und \u201eAnzeige\u201c. Dadurch soll jeder Nutzer erkennen k\u00f6nnen, dass es sich um ein gewerbliches Posting handelt. Das Oberlandesgericht Celle hat die Drogeriekette Rossmann wegen Schleichwerbung verurteilt, weil wie das Hashtag \u201e#ad\u201c zwischen anderen Hashtags versteckte.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem haben die Social-Media-Plattformen f\u00fcr Werbungskennzeichnungen eigene Regeln aufgestellt, an denen man sich orientieren kann und die man einhalten sollte.<\/p>\n<p>Private Nutzer sollten von der Verwendung von Verlinkungen absehen, da sie einerseits bei eigenen Meinungs\u00e4u\u00dferungen nicht erforderlich sind und sie andererseits Abmahnungen der Unternehmen riskieren.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Es bleibt abzuwarten, wie sich die Rechtsprechung zu diesem Thema entwickelt. Trotzdem herrscht im Internet kein rechtfreier Raum und jeder Nutzer einer Social-Media-Plattform sollte sich an die derzeit geltenden Entscheidungen der Gerichte und Richtlinien der Webseiten halten. F\u00fcr private Nutzer d\u00fcrfte ein m\u00f6gliches Risiko gering sein. Um aber in jedem Fall sicher zu sein k\u00f6nnen private Social-Media-Nutzer von Verlinkungen absehen. Influencer hingegen m\u00fcssen sich darauf einstellen, in Zukunft so gut wie jedes Posting mit \u201eWerbung\u201c \u00fcberschreiben zu m\u00fcssen, sofern sich ein gewerblicher Zusammenhang erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Influencer sind wegen angeblicher Schleichwerbung und unlauterem Wettbewerb gerade sehr stark ins Visier geraten und finden sich in verschiedenen F\u00e4llen vor Gericht wieder, wie u.a. Die Welt bereits am 17.12.2018 berichteten. So auch Vanessa Blumenthal, Mitte zwanzig, aus Aachen. Sie ist Influencerin. 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