{"id":6559,"date":"2019-04-04T16:21:58","date_gmt":"2019-04-04T14:21:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=6559"},"modified":"2019-04-04T16:39:42","modified_gmt":"2019-04-04T14:39:42","slug":"wieder-ein-urteil-gegen-eine-influencerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/wieder-ein-urteil-gegen-eine-influencerin\/","title":{"rendered":"Wieder ein Urteil gegen eine Influencerin"},"content":{"rendered":"\n<p>Immer wieder stehen Influcencer, also Personen, die mit der\nOffenlegung ihres Lebens im Internet ihr Geld verdienen, vor Gericht. Sollen\nsie das doch machen, k\u00f6nnte man sich denken \u2013 Wenn da nicht die Bezahlung von\nUnternehmen f\u00fcr die &nbsp;Posts der Influencer\nw\u00e4re. Gesch\u00e4ftliche Handlungen m\u00fcssen die Influencer n\u00e4mlich als Werbung\nkennzeichnen, sonst ist das Schleichwerbung und bringt \u00c4rger mit sich. Das\nkriegte aktuell eine Influencerin vor dem LG Karlsruhe zu sp\u00fcren (Urt. v.\n21.3.2019 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=13%20O%2038\/18\" title=\"LG Karlsruhe, 21.03.2019 - 13 O 38\/18: Schleichwerbung in sozialen Medien, Pamela_rf, Foto-Tagg...\">13 O 38\/18<\/a> KfH).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was machte die\nInfluencerin falsch?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das LG Karlsruhe monierte, dass die Influencerin drei\nkonkrete Posts nicht mit der Kennzeichnung \u201eWerbung\u201c versah, obwohl diese einen\nkommerziellen Zweck verfolgten. Die Influencerin hat \u00fcber vier Millionen\nAbonnenten und einen Business-Account bei Instagram. Sie mischt, wie wohl alle\nInflucener, private Posts mit kommerziellen. Auf letzteren verlinkt sie\nProdukte, Hersteller oder zum Beispiel das Hotel oder Restaurant, in dem sie\nsich gerade befindet. Die Leser ihrer Posts, die, was das Gericht betont,\noftmals sehr jung sind, k\u00f6nnen nicht zwangsl\u00e4ufig erkennen, ob ein Posting\nkommerziell oder privat ist, sofern es nicht entsprechend gekennzeichnet ist.\nDaher muss jeder Post, der Werbung enth\u00e4lt, als solche markiert werden, sonst\nhandelt es sich um Schleichwerbung. Die Influencerin verst\u00f6\u00dft also gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a\nAbs. 6 UWG<\/a>. Diese Norm soll den Verbraucher vor der Irref\u00fchrung \u00fcber den\nwahren, also kommerziellen Zweck sch\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Wer\nWirtschaftswerbung in einer Weise betreibt, dass gesch\u00e4ftliches Handeln nicht\nmehr als solches erkennbar ist, nutzt den Umstand aus, dass der Verkehr den\nAngaben eines am Wettbewerb selbst nicht Beteiligten (z.B. einer\nZeitschriftenredaktion oder einer Privatperson) eher Glauben schenkt und sie\nweniger kritisch beurteilt, mithin ihr gr\u00f6\u00dfere Bedeutung und Beachtung beimisst\nals entsprechenden, ohne weiteres als Werbung erkennbaren Angaben<\/em>.\u201c Daher\nverpflichtet das Gericht die Influencerin zu einer Unterlassung dieser Posts\nauf s\u00e4mtlichen Social-Media-Kan\u00e4len.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir berichteten dieses Jahr bereits in zwei Blogartikeln \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/schleichwerbung-und-unlauterer-wettbewerb-was-sich-influencer-jetzt-anhoeren-muessen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Vanessa Blumenthal (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Vanessa Blumenthal<\/a>&nbsp;und <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Vreni Frost&nbsp; (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/neuigkeiten-im-streit-um-die-kennzeichnungspflicht-bei-posts-von-influencern\/\" target=\"_blank\">Vreni Frost&nbsp;<\/a>, bei denen es um die Frage ging, ob sie auch Posts, f\u00fcr die sie kein Geld bekommen haben, als Werbung markieren m\u00fcssen, da sie nach Ansicht des Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) mit den Verlinkungen kommerzielle Inhalte erschaffe und ihr eigenes Unternehmen f\u00f6rdere. Das greift auch das LG Karlsruhe in seiner Entscheidung auf. Es erkl\u00e4rt, dass die Influencerin ihre Eink\u00fcnfte damit erzielt, \u201e\u2026<em>dass sie Produkte vermarktet und dabei trotzdem authentisch erscheint. Sie inszeniert ihr Leben mit den dazu passenden Marken. Unternehmen sind f\u00fcr ihre Werbung an m\u00f6glichst glaubw\u00fcrdigen Werbetr\u00e4gern interessiert<\/em>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese Authentizit\u00e4t wird den Influencern mehr\nBeachtung geschenkt, sie wirken glaubw\u00fcrdig und animieren mit in Fotos\neingebetteten Tags als gesch\u00e4ftliche Handlungen i.S.v. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/2.html\" title=\"&sect; 2 UWG: Begriffsbestimmungen\">\u00a7 2 Abs. 1 Nr 1 UWG<\/a> die\nAbonnenten zum Kauf, was den Voraussetzungen von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a Abs. 6 UWG<\/a> entspricht. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Verletzt die\nKennzeichnungspflicht die Grundrechte der Influencerin?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das LG Karlsruhe besch\u00e4ftigt sich am Ende seiner\nAusf\u00fchrungen auch noch mit der Grundrechtsrelevanz der Kennzeichnungspflicht\nund fragt, ob die Meinungs\u00e4u\u00dferungs- und Medienfreiheit der Influencerin\nbeeintr\u00e4chtigt worden sind. Betroffen sein k\u00f6nnte <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/11.html\" title=\"Art. 11 GRCh: Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung und Informationsfreiheit\">Art. 11 EU-Grundrechtecharta<\/a>,\nweil es hier um die Auslegung nationalen Rechts geht, welches auf der Umsetzung\nvon EU-Richtlinien beruht. Das LG Karlsruhe bejaht eine Einschr\u00e4nkung der\nGrundrechte aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GRCh\/11.html\" title=\"Art. 11 GRCh: Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung und Informationsfreiheit\">Art. 11 EU-Grundrechtecharta<\/a>, sieht den Eingriff aber als\nverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig an. Der Influencerin wird n\u00e4mlich nicht das Posten von\nkommerziellen Inhalten verboten, sondern nur das Unterlassen deren\nKennzeichnung als Werbung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch diese Entscheidung verdeutlicht wieder, dass\nInfluencer sehr sorgf\u00e4ltig pr\u00fcfen m\u00fcssen, welche Posts sie als Werbung\nkennzeichnen und welche nicht, um kostenpflichtige Abmahnungen zu vermeiden.\nDabei sollten sie die aktuelle Rechtsprechung im Auge behalten und sich an die\nRichtlinien der Social-Media-Plattformen zur Kennzeichnung von Werbung halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder stehen Influcencer, also Personen, die mit der Offenlegung ihres Lebens im Internet ihr Geld verdienen, vor Gericht. Sollen sie das doch machen, k\u00f6nnte man sich denken \u2013 Wenn da nicht die Bezahlung von Unternehmen f\u00fcr die &nbsp;Posts der Influencer w\u00e4re. 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