{"id":8789,"date":"2020-06-10T13:04:00","date_gmt":"2020-06-10T11:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=8789"},"modified":"2020-07-10T13:08:37","modified_gmt":"2020-07-10T11:08:37","slug":"neues-zum-thema-gutscheinloesung-im-reiserecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/neues-zum-thema-gutscheinloesung-im-reiserecht\/","title":{"rendered":"Neues zum Thema: Gutscheinl\u00f6sung im Reiserecht"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun hat das Bundeskabinett am Mittwoch den 10.06.2020 mit dem dritten Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Pandemie eine volle Absicherung f\u00fcr Reisekosten vom Pauschalreisen f\u00fcr den Fall der Insolvenz beschlossen. Die Bundesregierung ist von einer verpflichtenden Gutscheinl\u00f6sung f\u00fcr Reisende abger\u00fcckt, m\u00f6chte aber ausgestellte Reisegutscheine vor einer Insolvenz des Reiseveranstalters absichern. Doch wer zahlt am Ende wirklich?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was besagte das erste und zweite Gesetz zur Abwendung der Folgen der Pandemie?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im ersten Gesetz vom 27. M\u00e4rz 2020 ging es vor allem um Insolvenz-, Gesellschaftsrecht- und ein paar weitere Rechtsgebiete. Getragen wurde es vor allem durch die staatlichen Zusch\u00fcsse und B\u00fcrgschaften. Der Staat zahlte und stellte damit die Unternehmen von ihren normalerweise bestehenden Pflichten des Insolvenzrechts frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Gesetz vom 15. Mai 2020 wurden vorgeschrieben, dass Kunden zu Zwangskrediten an die Dienstleister verurteilt werden, indem diese ihnen Gutscheine aufzw\u00e4ngen k\u00f6nnen, die bis Ende 2021 einzul\u00f6sen sind. F\u00fcr die Reisebranche war so eine \u201eGutscheinl\u00f6sung\u201c ebenfalls vorgesehen, jedoch verhinderte dies die Europ\u00e4ische Kommission.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Gesetz wird nun wieder eine Gutscheinl\u00f6sung eingef\u00fchrt, dieses mal aber nicht zwangsweise, sondern auf freiwilliger Basis. Die Europ\u00e4ische Kommission, blieb auf ihrem Standpunkt stehen und weigert sich Kunden das Insolvenzrisiko einer gesamten Branche aufzub\u00fcrden, denn seit 1990 ist die Europ\u00e4ische Union f\u00fcr das Pauschalreiserecht zust\u00e4ndig. Mit der freiwilligen Gutscheinl\u00f6sung kommt die Bundesregierung den Vorgaben der EU-Pauschalreiserichtlinie sowie dem Empfehlungen der EU-Kommission nach.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie soll das Gesetz voraussichtlich lauten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Neuregelung der Insolvenzsicherung besagt, dass bei einer Insolvenz Kunden ihre gesamten Kosten zur\u00fcckerstattet bekommen sollen, ohne dass es eine Haftungsbeschr\u00e4nkung daf\u00fcr gibt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/EGBGB\/240.html\" title=\"Art. 240 EGBGB: (weggefallen)\">Artikel 240<\/a>, (vermutlich) Nummer 6 des Einf\u00fchrungsgesetzes zum BGB: \u201eTritt der Reisende oder Reiseveranstalter wegen der Covid-19-Pandemie (&#8230;) von einem Pauschalreisevertrag zur\u00fcck, der vor dem 8. M\u00e4rz 2020 geschlossen wurde, so kann der Reiseveranstalter dem Reisenden statt der R\u00fcckerstattung des Reisepreises einen Reisegutschein anbieten. (&#8230;) Der Reisende hat die Wahl, ob er das Angebot des Reiseveranstalters annimmt oder sein Recht auf R\u00fcckerstattung des Reisepreises aus\u00fcbt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Gutschein soll auch in einer bestimmten Form geschlossen werden. Alte Gutschein sind gegen neue formgem\u00e4\u00dfe Gutscheine auszutauschen. Der Gutschein muss Angaben zum exakten Wert enthalten, mindestens aber in H\u00f6he der geleisteten Anzahlung, und mit einem Hinweis versehen sein, dass bis zum 31. Dezember 2021 die Auszahlung unb\u00fcrokratisch verlangt werden kann. Der Gutschein muss auch die Dauer der G\u00fcltigkeit erkennen lassen, sowie einen Hinweis darauf, dass der Gutschein bei Insolvenz des Reiseveranstalters gegebenenfalls erg\u00e4nzend durch eine staatliche Garantie abgesichert ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kritik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Es handelt sich hier also f\u00fcr den Kunden um eine \u201eKann-Bestimmung\u201c. Der Kunde hat die Wahl, ob er das Angebot einen Gutschein zu akzeptieren annehmen oder ablehnen m\u00f6chte. Daraus folgt, dass das Gesetz keinen Regelungsgehalt aufweist und auch ohne das besagte Gesetz die gleiche Rechtslage vorl\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem versuchen Reiseveranstalter gern ihre Kosten zu kompensieren und stellen einfach ihren Kunden hohe Aufwandsentsch\u00e4digungen oder Umbuchungsgeb\u00fchren in Rechnung. Es ist von solchen Zahlung aber abzuraten, da es weder eine vertragliche noch eine rechtliche Grundlage f\u00fcr einen Zahlungsanspruch des Reiseveranstalters gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem soll die Gutscheinl\u00f6sung nur im Hinblick auf die actuelle Covid-19-Pandemie gelten und die staatliche Sicherung soll nur zeitlich befristet werden, was unweigerlich zu einer rechtlichen Unsicherheit f\u00fcr den Verbraucher f\u00fchren wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Unterschied zwischen Veranstalter- und Reisegutscheinen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der gro\u00dfe Unterschied zwischen diesen beiden L\u00f6sungen ist die Insolvenzabsicherung.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht der Veranstalter pleite, dann geht der Konzertbesucher leer aus. Er hat dann ein wertloses St\u00fcck Papier, welches nicht abgesichert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Reisenden s\u00e4he die Lage aber von nun an anders aus, weil der Insolvenzfall jetzt abgesichert wird. Die Absicherung der Kundengelder soll k\u00fcnftig \u00fcber einen Fonds erfolgen, der sich aus Beitr\u00e4gen der Reiseveranstalter finanziert. Im Insolvenzfall soll daher zun\u00e4chst auf die jeweilige Einlage des Reiseveranstalters im Sicherungsfonds zur\u00fcckgegriffen werden und erst danach auf den Fondskapitalstock, der durch eine, wenn auch zeitlich befristete, staatliche Garantie abgesichert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auch im Sinne des europ\u00e4ischen Gesetzgebers, der schon seit Jahren eine Absicherung von Pauschalreisen verlangt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Welchen rechtlichen Vorteil hat der Reisegutschein f\u00fcr Kunden?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn der Kunde aktuell sein Geld zur\u00fcckerh\u00e4lt, und der Reiseveranstalter in die Insolvenz ger\u00e4t, droht die Anfechtung durch den Insolvenzverwalter. Springt keine Versicherung ein, w\u00e4re das Geld dann wieder weg und der Kunde ginge leer aus. Hier soll die gesetzliche Einstandspflicht Sicherheit gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung wendet Unsummen auf, um f\u00fcr den B\u00fcrger die Folgen der Pandemie abzud\u00e4mpfen. Diese enormen Staatsschulden m\u00fcssen jedoch auch eines Tages bezahlt werden &#8211; die Verteilung der Lasten beginnt also schon jetzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn ein Reiseunternehmen Ihnen einen Gutschein, anstatt die R\u00fcckzahlung des Reisepreises anbietet, lassen Sie sich nicht dr\u00e4ngen. Zur Annahme des Gutschein sind Sie gesetzlich nicht verpflichtet. Auf freiwilliger Basis k\u00f6nnen Sie jedoch einen Gutschein akzeptieren und den Veranstalter so vor einer Insolvenz sch\u00fctzen. Die Bundesregierung will die Reisegutscheine im Falle einer Insolvenz zeitlich befristet absichern. \u00c4hnlich wie bereits bei der Gutscheinl\u00f6sung f\u00fcr Veranstaltungen sollen die Reisegutscheine bis Ende 2021 eingel\u00f6st werden. Sollte das nicht m\u00f6glich sein, ist das Geld zur\u00fcckzuzahlen. Das alles gilt f\u00fcr Reisen, die vor dem 8. M\u00e4rz 2020 gebucht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollten Sie Fragen zum Reiserecht haben oder Probleme bei der R\u00fcckforderung des Reisepreises, z\u00f6gern Sie nicht und melden sich bei uns. Wir stehen Ihnen sofort zur Seite und unterst\u00fctzen Sie bei der Geltendmachung Ihrer Rechte.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun hat das Bundeskabinett am Mittwoch den 10.06.2020 mit dem dritten Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Pandemie eine volle Absicherung f\u00fcr Reisekosten vom Pauschalreisen f\u00fcr den Fall der Insolvenz beschlossen. 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