{"id":8811,"date":"2020-07-24T14:02:00","date_gmt":"2020-07-24T12:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=8811"},"modified":"2020-07-20T14:06:06","modified_gmt":"2020-07-20T12:06:06","slug":"influencer-offensichtliche-werbung-muss-nicht-gekennzeichnet-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/influencer-offensichtliche-werbung-muss-nicht-gekennzeichnet-werden\/","title":{"rendered":"Influencer: Offensichtliche Werbung muss nicht gekennzeichnet werden"},"content":{"rendered":"\n<p>Influencer und der Umgang mit Werbepostings war in den letzter\nZeit immer wieder Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Nun kommt\neine f\u00fcr Influencer begr\u00fc\u00dfenswerte neue Entscheidung des Hanseatischen\nOberlandesgerichts dazu. Das OLG Hamburg hat in seinem Urteil vom 2. Juli 2020\n(Urteil vom 02.07.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=15%20U%20142\/19\" title=\"OLG Hamburg, 02.07.2020 - 15 U 142\/19: Influencer Postings: Keine Kennzeichnungspflicht bei off...\">15 U 142\/19<\/a>) entschieden, dass Influencer ihre\nBeitr\u00e4ge mit Produktdarstellungen nicht ausdr\u00fccklich als Werbung markieren\nbrauchen, wenn es sich f\u00fcr den Verbraucher offenkundig um Werbung im Sinne des\nInfluencer-Marketings handelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber was wurde gestritten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Wettbewerbsverband verklagte eine Influencerin mit\neiner sehr hohen Follower-Community von rund 1,7 Mio Abonnenten, da die\nInfluencerin drei Postings nicht als Werbung markiert habe, obwohl es sich um\nWerbung handele. Die Influencerin kennzeichnete auf ihrem Instagram-Account nur\nsolche Postings als Werbung, f\u00fcr welche sie von dem beworbenen Unternehmen eine\nBezahlung erhielt. Hierin sah der Wettbewerbsverband einen Versto\u00df und verlangte\nvon der Incluencerin eine Unterlassung und forderte sie auf, alle Postings mit\neinem konkreten Produktbezug als Werbung zu kennzeichnen, wenn sie auch einen\nHinweis auf den Hersteller enthalten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies sah das Hanseatische Oberlandesgericht anders und\nsah in dem Handeln der Influencerin keine gesch\u00e4ftliche Handlung im Sinne von\n<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a75a Abs.6 UWG<\/a>. Ein wichtiger Aspekt in diesem Fall ist der Content des\nInstagram-Postings der Influencerin. Sie betreibt ihren Account bez\u00fcglich der\nThemen Beauty, Lifestyle, und Reisen und postet darin t\u00e4glich Bilder und Texte.\nIhre Abonnenten wollen genau das sehen und folgen ihr deswegen, so das OLG\nHamburg. Das ist wiederum f\u00fcr Werbepartner h\u00f6chst interessant und f\u00fcr die\nInfluencerin \u00e4u\u00dferst lukrativ. <\/p>\n\n\n\n<p>Das OLG Hamburg, ist daher der Ansicht, dass der kommerzielle\nZweck dieser Postings als Werbung f\u00fcr den Verbraucher ersichtlich sind, so \u201edass\ndie Gefahr einer Irref\u00fchrung oder einer Verwechslung mit privaten oder\nredaktionellen Inhalten ausgeschlossen sei.\u201c Denn die Follower der Influencerin\nseien sich des kommerziellen Zwecks des Instagram-Auftritts durchaus bewusst. <\/p>\n\n\n\n<p>Genauer: \u201eDie beklagte Influencerin betreibe ihren\nAccount zwar als Unternehmerin und insgesamt zu kommerziellen Zwecken, trotzdem\nsei die fehlende Kennzeichnung der Postings als Werbung nicht\nwettbewerbswidrig, denn der kommerzielle Zweck der gesch\u00e4ftlichen Handlung\nergebe sich jeweils aus den Umst\u00e4nden (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a75a Abs.6 UWG<\/a>) und sei f\u00fcr den\nVerbaucher auf den ersten Blick erkennbar.\u201c Laut des OLG Hamburgs ist der\nAccount der Influecerin f\u00fcr alle Nutzer zug\u00e4nglich. Ihre Postings bekommen\ndurchschnittlich 50.000 \u201eLikes\u201c &#8211; somit w\u00fcrde es sich offensichtlich um einen\n\u00f6ffentlichen Auftritt handeln, ganz so wie man es aus Printmedien gewohnt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hiermit stimmt das OLG Hamburg folglich dem Oberlandesgericht\nM\u00fcnchen zu, welches am 25. Juni 2020 im Fall von Cathy Hummels entschieden\nhatte, dass f\u00fcr Influencer keine strengeren Ma\u00dfst\u00e4be gelten sollten als f\u00fcr die\nPresse. Die &#8222;alte Welt&#8220;, das ist die Presse, die &#8222;neue\nWelt&#8220; sind die sozialen Medien im Internet. Produkthinweise\nin Zeitschriften seien erlaubt, ohne dass das als Schleichwerbung gilt. Dies\nm\u00fcsse entsprechend auch auf Postings von Influencern angewandt werden. Nach\nAnsicht des OLG M\u00fcnchen w\u00fcssten informierte Internetnutzer, dass Hummels mit\nihrem Instagram-Profil kommerzielle Interessen verfolge. Insofern handele es\nsich auch nicht um unlautere Werbung (Az.: <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20HK%20O%2014312\/18\" title=\"LG M&uuml;nchen I, 29.04.2019 - 4 HKO 14312\/18: Cathy Hummels im Streit mit Wettbewerbsverband: Infl...\">4 HK O 14312\/18<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Das OLG Hamburg ist also der Ansicht, dass der\nVerbraucher kl\u00fcger ist, als der Wettbewerbsverband denkt. Der Verbraucher lie\u00dfe\nsich nicht durch offensichtliche Werbung ohne Markierung in die Irre f\u00fchren.\nDen Abonnenten des Accounts k\u00e4me es, so die Richter, ausdr\u00fccklich darauf an auf\nden Content der Influencer und deren Werbepostings zu treffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Klarstellende Entscheidung des BGH steht noch aus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ob damit die Streitigkeiten um Influencer-Postings\nausgestanden sind, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich ist es jedoch nicht. Denn\neine Entscheidung des Bundesgerichtshofes steht nach wie vor aus. Jedoch\nk\u00f6nnten wir einer Entscheidung des h\u00f6chsten deutschen Gerichts n\u00e4her kommen.\nDas OLG M\u00fcnchen lie\u00df wegen der Bedeutung und Tragweite die Revision zum BGH zu,\nweil die Meinungen bez\u00fcglich \u201eSchleichwerbung\u201c sind stark geteilt und weit auseinandergehen.\nDas OLG Braunschweig und das Kammergericht Berlin haben in \u00e4hnlichen F\u00e4llen\nzulasten von Influencern entschieden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedarf also einer klaren Vorgabe und\nRichtungsweisung durch den BGH. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sollten sich\nInfluencer verhalten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ob das OLG Hamburg und das OLG M\u00fcnchen die Auswirkungen ihrer\nEntscheidungen wirklich bedacht haben, ist fraglich. Denn infolge dieser\nEntscheidungen w\u00fcrde sich eine \u201eSonder-Rechtsprechung\u201c f\u00fcr Influencer ergeben,\nwenn der Account nur ausreichend viele Follower hat, weil nach Ansicht der\nGerichte dann in jedem Fall eine kommerzielle Natur des Accounts offensichtlich\nsei mit der Folge, dass \u00fcberhaupt keine Kennzeichnung von Werbung mehr erfolgen\nm\u00fcsste. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass dies, auch in Analogie des Vergleiches zwischen einem\nInstagram-Account und einem Presseerzeugnis, keinen Bestand haben d\u00fcrfte,\nscheint auf der Hand zu liegen. Denn wenn lediglich die Reichweite eines\nAccounts dazu f\u00fchrt, dass eine Offensichtlichkeit eines kommerziellen Handelns\ngegeben ist und demnach keine Trennung mehr zwischen redaktionellen und\nwerblichen Inhalten notwendig ist, dann m\u00fcsste dies im Umkehrschluss dieser\nEntscheidung auch f\u00fcr Presseerzeugnisse gelten. Denn zumindest auflagenstarke\nPresseerzeugnisse d\u00fcrften eine vergleichbare Reichweite erlangen, wie ein\nInstagram-Account so mancher Influencer.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig kann es Influencern nat\u00fcrlich nicht auferlegt werden,\njeden Beitrag als Werbung zu kennzeichnen, wie dies seit dem Urteil des\nLandgerichts Berlin oftmals gehandhabt wird. Denn die Kennzeichnung eines jeden\nPostings als Werbung f\u00fchrt gerade zu dem absurden Ergebnis, dass f\u00fcr den\nVerbraucher \u00fcberhaupt nicht mehr erkennbar ist, wann es sich um redaktionelle\nund wann um werbliche Inhalte handelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sollten Influencer, gerade auch aufgrund dieser\nneuerlichen Rechtsprechung, nun nicht g\u00e4nzlich auf die Kennzeichnung ihrer\nPostings verzichten. Postings, welche tats\u00e4chlich als Werbung gedacht sind,\nweil hierf\u00fcr auch Geld an den Influencer bezahlt worden ist, sollte in jedem\nFall als Werbung gekennzeichnet werden. Postings, die nicht auf eine Bezahlung\ndurch ein Unternehmen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, d\u00fcrften unter Ber\u00fccksichtigung der\nRechtsprechung des OLG Hamburg und M\u00fcnchen zumindest an diesen Gerichtsst\u00e4nden\nauch ohne entsprechenden Hinweis zul\u00e4ssig sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sie haben noch Fragen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Sie haben noch Fragen\nzum Umgang mit Postings in sozialen Medien? Sie sind unsicher, ob es sich bei\nIhren Inhalten auf sozialen Netzwerken um \u201eSchleichwerbung\u201c handeln k\u00f6nnte oder\nhaben eine Abmahnung daf\u00fcr erhalten und ben\u00f6tigen rechtliche Unterst\u00fctzung?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir stehen Ihnen gern schnell und unkompliziert zur\nSeite und beraten Sie in allen rechtlichen Belangen. Melden Sie sich bei uns!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Influencer und der Umgang mit Werbepostings war in den letzter Zeit immer wieder Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Nun kommt eine f\u00fcr Influencer begr\u00fc\u00dfenswerte neue Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts dazu. Das OLG Hamburg hat in seinem Urteil vom 2. 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