{"id":9555,"date":"2021-02-22T10:00:00","date_gmt":"2021-02-22T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/?p=9555"},"modified":"2021-02-21T11:09:38","modified_gmt":"2021-02-21T10:09:38","slug":"ueber-schadensersatz-fuer-datenschutzverstoss-muss-der-eugh-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.legalsmart.de\/blog\/ueber-schadensersatz-fuer-datenschutzverstoss-muss-der-eugh-entscheiden\/","title":{"rendered":"\u00dcber Scha\u00addens\u00ader\u00adsatz f\u00fcr Daten\u00adschutz\u00adver\u00adsto\u00df muss der EuGH ent\u00adscheiden"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Anwalt begehrte 500 Euro Schadensersatz f\u00fcr eine Werbe-Mail. Die Klage, die das Amtsgericht Goslar (Urt. v. 27.09.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=28%20C%207\/19\" title=\"28 C 7\/19 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">28 C 7\/19<\/a>) noch als Bagatelle abwies, wurde vom Bundesverfassungsgericht mit Urt. v. 14 Januar 2021 (Az. BvR 28531\/19) anders bewertet. Nun m\u00fcsste sich der Europ\u00e4ische Gerichtshof in dieser Sache positionieren, um Rechtsklarheit zu schaffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Artikel berichten wir \u00fcber die Klage auf Schadensersatz f\u00fcr einen Datenschutzversto\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Anwalt, der ohne Einwilligung an seine berufliche E-Mail-Adresse eine Werbe-Mail erhielt, forderte vom Absender der Mail die Unterlassung k\u00fcnftiger Werbung und forderte Einsicht in seine gespeicherten personenbezogenen Daten und dar\u00fcber hinaus verlangte er auf Grundlage des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 DSGVO<\/a> einen immateriellen Schadensersatz von 500 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 I DSGVO<\/a>: Jede Person, der wegen eines Versto\u00dfes gegen diese Verordnung ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist, hat Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verantwortlichen oder gegen den Auftragsverarbeiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Fraglich war in diesem Fall, wie <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 I DSGVO<\/a>&nbsp;im Hinblick auf einen Geldentsch\u00e4digungsanspruch zu behandeln ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>AG Goslar lehnt Schadensersatz ab<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Amtsgericht Goslar hat dem Unterlassungsanspruch und dem Antrag auf Auskunft \u00fcber die personenbezogenen Daten des Anwalts stattgegeben. Einen Schadensersatzanspruch lehnte das AG aber ab, weil die Erheblichkeitsschwelle nicht \u00fcberschritten w\u00e4re.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Tatsache ist, dass es sich nur um eine Werbe-Email handelte. Der Anwalt argumentierte bei Erhebung der Verfassungsbeschwerde aber, dass die Entscheidung sein Recht auf den gesetzlichen Richter nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/101.html\" title=\"Art. 101 GG\">Art. 101 Abs. 1 Satz 2<\/a> Grundgesetz (GG) verletzt habe, weil das AG&nbsp;in letzter Instanz entgegen seiner Zust\u00e4ndigkeit entschieden und relevante Rechtsfragen nicht dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof zur Vorabentscheidung vorgelegt habe. Damit bekam er in Karlsruhe Recht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rechtstipp<\/strong>: Das Amtsgericht h\u00e4tte nicht ohne Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union entscheiden d\u00fcrfen, dass sich kein Anspruch des Beschwerdef\u00fchrers aus der ohne seine ausdr\u00fcckliche Einwilligung erfolgten \u00dcbersendung der Email aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 DSGVO<\/a> ergebe, weil ein Schaden nicht eingetreten sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union, muss ein nationales letztinstanzliches Gericht seiner Vorlagepflicht nachkommen, wenn sich in einem bei ihm schwebenden Verfahren eine&nbsp;<strong>Frage des Unionsrechts&nbsp;<\/strong>stellt, es sei denn, das Gericht hat festgestellt, dass die gestellte Frage nicht entscheidungserheblich ist, dass die betreffende unionsrechtliche Bestimmung bereits Gegenstand einer Auslegung durch den Gerichtshof war (acte \u00e9clair\u00e9) oder dass die richtige Anwendung des Unionsrechts derart offenkundig ist, dass f\u00fcr einen vern\u00fcnftigen Zweifel keinerlei Raum bleibt (acte clair). Daher stellt nicht jede Verletzung der unionsrechtlichen Vorlagepflicht zugleich einen Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/101.html\" title=\"Art. 101 GG\">Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG<\/a> dar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>EuGH allein befugt die Rechtsfrage zu kl\u00e4ren<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mit dem Recht auf den gesetzlichen Richter nach Art, 101 Abs. 1 S. 2 GG bekam der Anwalt recht. Das BVerG urteilte, dass das Verfahren dem EuGH h\u00e4tte vorlegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zu kl\u00e4rende Rechtsfrage,&nbsp;wie <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 Abs. 1 DSGVO<\/a> vor dem Hintergrund von Erw\u00e4gungsgrund 146 in F\u00e4llen der \u00dcbersendung einer Email ohne Zustimmung auszulegen ist,&nbsp;ist bislang noch nicht Gegenstand einer Auslegung durch den EuGH gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das BVerfG hat deutlich klargestellt, das ein deutsches Amtsgericht die Frage nach den Voraussetzungen und dem Umfang von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 DSGVO<\/a> nicht selbst beantworten darf. In diesem Zusammenhang ist vom deutschen Gericht auch zu pr\u00fcfen, ob sich das Gericht hinsichtlich des Unionsrechts ausreichend kundig gemacht hat. Etwaige einschl\u00e4gige Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union muss es auswerten und seine Entscheidung hieran orientieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der im Ausgangsverfahren zu beurteilende Sachverhalt warf die Frage auf, unter welchen Voraussetzungen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 Abs. 1 DSGVO<\/a> einen Geldentsch\u00e4digungsanspruch gew\u00e4hrt und welches Verst\u00e4ndnis dieser Vorschrift insbesondere im Hinblick auf Erw\u00e4gungsgrund 146 Satz 3 zu geben ist, der eine weite Auslegung des Schadensbegriffs im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union verlangt, die den Zielen der DSGVO in vollem Umfang entspricht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grundsatz ist, dass nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/82.html\" title=\"Art. 82 DSGVO: Haftung und Recht auf Schadenersatz\">Art. 82 Abs. 1 DSGVO<\/a> jede Person, der wegen eines Versto\u00dfes gegen die DSGVO ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist, Anspruch auf Schadensersatz gegen den Verantwortlichen hat, also diejenige nat\u00fcrliche oder juristische Person, Beh\u00f6rde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen \u00fcber die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben Fragen zum Datenschutz? 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