Viele Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass sie einen Anspruch auf Abfindung haben. Doch so ist das nicht! 

Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, wie Sie die Chance auf eine Abfindung steigern können!

Das sollten Sie wissen:

Was bedeutet eigentlich „Abfindung“?

„Ei­ne Ab­fin­dung ist ei­ne ein­ma­li­ge außer­or­dent­li­che Zah­lung, die ein Ar­beit­neh­mer von sei­nem Ar­beit­ge­ber bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses als Entschädi­gung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes und der da­mit ver­bun­de­nen Ver­dienstmöglich­kei­ten erhält.

Auch Er­werbstäti­ge, die zwar nicht als Ar­beit­neh­mer, aber als so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäftig­te an­zu­se­hen sind, können ei­ne sol­che Ab­fin­dung er­hal­ten. Das ist z.B. bei Fremd­geschäftsführern ei­ner GmbH oft der Fall.

Kei­ne Ab­fin­dung, son­dern ei­ne fi­nan­zi­el­le Aus­gleichs­zah­lung ei­ge­ner Art ist der Aus­gleichs­an­spruch des Han­dels­ver­tre­ters gemäß § 89b Han­dels­ge­setz­buch (HGB).“

Anspruch auf Abfindung?

Einen Anspruch auf Abfindung gibt es, wie oben bereits kurz erwähnt, nicht. Daher sollten Sie als Arbeitnehmer, wenn Ihnen eine Kündigung zugegangen ist, keine Zeit verlieren. 

Rechtstipp: Falls Sie eine Kündigung erhalten haben müssen Sie gem. § 4 KSchG innerhalb einer Frist von 3 Wochen ab Zugang der Kündigung eine Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht einreichen. Die 3 Wochen Frist bleibt übrigens auch bestehen, wenn die Kündigung wegen schwerer Mängel (Missachtung des Sonderkündigungsschutzes o.ä.) nicht wirksam ist.

Ist die Kündigungsschutzklage erst einmal bei Gericht eingegangen, muss der Arbeitgeber beweisen, auf welchem „rechtssicheren“ Grund die Kündigung aufbaut. 

Kann er das nicht, ist die Kündigung unwirksam und hier kommen wir zum Thema Abfindung! Um den Fall einer für unwirksam erklärten Kündigung vorzubeugen, einigen sich viele Unternehmen lieber auf eine Abfindung. 

Pflicht zur Abfindungszahlung

Rechtlich gibt es Ausnahmen, wo eine Abfindungszahlung für den Arbeitgeber verpflichtend ist:

  1. Bei Auflösung des Arbeitsvertrages und Festsetzung durch das Gericht (sog. Auflösungsabfindung)
  2. Bei Nachteilsausgleich (wenn es keine Verhandlung mit dem Betriebsrat gab)
  3. Bei betriebsbedingter Abfindung, in Form eines sozialen Ausgleichs

Höhe der Abfindung 

Die Höhe der Abfindung ist dabei Verhandlungssache und kommt auf die Verhandlungsposition des Arbeitnehmers an. Hier ist zu empfehlen sich in Sachen Verhandlung von einem Arbeitsrechtsanwalt vertreten zu lassen. Er kann eher herausfinden, ob die Kündigung unrechtmäßig erging und so eine vergleichsweise höhere Abfindung für Sie erwirken. 

Regelabfindung

Die Rechtsprechung setzt die Regelabfindung bei einem halben Bruttomonatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit fest. 

Rechenbeispiel:

Bei zehn Jahren und einem Monatsgehalt von 4000 Euro beträgt die Regelabfindung 20.000 Euro. 

Das Geld zählt übrigens als Einkommen des Arbeitnehmers und wird dennoch zu einem niedrigen Satz versteuert. Sozialabgaben müssen auch nicht abgeführt werden. 

Die Abfindung kann dennoch nicht pauschal festgesetzt werden, da sie auch absolut branchenabhängig ist.

Positive Folgen durch Aufhebungsvertrag?

Ob der Abschluss eines Aufhebungsvertrags günstiger ist, hängt von vielen Faktoren ab. Hier ist aber Achtung geboten, denn durch den Abschluss eines Aufhebungsvertrags  können Ihnen Nachteile beim Arbeitsamt entstehen und auch mit Blick auf den Rentenbezug, kann er nachteilhaft sein! Lassen Sie sich zum Thema Aufhebungsvertrag unbedingt rechtlich beraten und eine eventuelle Abfindung nach Höhe und Umfang prüfen!

Generell kann aber ein Aufhebungsvertfrag von Vorteil sein, wenn Sie evtl selbst einen neuen Arbeitsplatz in Aussicht haben oder eine Kündigung von Seiten des Arbeitgebers sowieso schon im Raum steht. 

Positiv für Sie ist, dass dann keine Kündigung im Lebenslauf auftaucht, und Sie mit dem Arbeitgeber eine Abfindung vereinbaren können. Für den Arbeitgeber wird Ihre Stelle schnell frei und diesen Vorteil für den Arbeitgeber können Sie in der Verhandlung gut nutzen! Desweiteren können Sie auch ein entsprechend positives Arbeitszeugnis vereinbaren. 

Da es aber immer um den Verlust Ihres Arbeitsplatzes geht, sollten Sie niemals voreilig eine Entscheidung treffen oder zu schnell einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Seien Sie bedacht und halten Sie mit Ihrem Fachanwalt Rücksprache!

Fazit

Abfindungen müssen leider zu einem hohen Teil versteuert werden, weil es seit 2006 keinen Steuerfreibetrag mehr gibt. Es gibt jedoch noch die sogenannte „Fünftelregelung“.

Auch ein Aufhebungsvertrag kann seine Nachteile haben. Das besonders im Hinblick auf einen eventuellen Bezug von Arbeitslosengeld gem. § 159 I SGB III. 

Sie haben eine Kündigung erhalten und sind sich unsicher, wie Sie darauf reagieren sollen, oder ob Sie evtl. Chancen auf eine Abfidnung hätten?

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